# Garnich' einfach Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 5. September 2023 Tags: Gesellschaft Wir reden uns die Dinge gerne leicht. Alles soll ja einfach sein. Aber, mal ehrlich, das ist es nicht. --- Wir reden uns die Dinge gerne leicht. Alles soll ja einfach sein. Aber, mal ehrlich, das ist es nicht. Um zu Darstellungen zu kommen, mit denen wir, also genauer gesagt unser Gehirn, umgehen kann, tun wir einfach so, als wären die Dinge einfach. Wenn wir aber etwas nehmen, was hochkomplex ist, und nehmen an, es wäre einfach, machen wir **Fehler**. Und ziehen wir Schlüsse aus dem, was wir da betrachten, dann basieren auch diese Schlüsse auf Fehlern. Und der schlimmste Fehler, den man überhaupt machen kann, ist diese zuvor gemachten Fehler auszublenden. Dabei kann nicht viel Sinnvolles herauskommen. Trotzdem bestimmt genau dieses Vorgehen oft unser Handeln. Nicht nur im Privaten und im Alltag. Auch in der _Wirtschaft_ und _Politik_. Und im schlimmsten Fall nennen wir das dann noch _datengetriebenesManagement_ oder _scientificManagement_. ![Simplicity](./19_Garnich_einfach2.jpg) Der Umgang mit der allgegenwärtigen **Komplexität** der globalisierten und zunehmend auch digitalisierten Welt erfordert eine sehr grundlegende Auseinandersetzung damit, wie wir uns selbst die Welt erklären. Wie der Schritt der **Modellbildung** in unseren Köpfen (und ja, auch in den Köpfen anderer) abläuft. Welche Entscheidungen wir dabei treffen, wenn wir vereinfachen und welche Auswirkungen dies hat. Neben der Fähigkeit der _Beobachtung_ und der _Modellbildung_ ist auch das _Modellverstehen_ und die Fähigkeit zur _Modellvalidierung_ für ein Verständnis von Vorgängen in einer Welt, die sich immer schneller dreht, von ganz zentraler Bedeutung. Das erfordert eine Vielzahl von fundamentalen Fähigkeiten, vom _kritischen Denken_ über _logische_, vielleicht sogar _mathematische_ Betrachtungsweisen bis hin zum ausprägten professionellen _Spieltrieb_, viel _Kreativität_ und _Fantasie_. Und _Mut_. Mut, Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen. Mut, sich Zeit zu nehmen. Mut, sich zu konzentrieren und ausgiebig über etwas nachzudenken. Die Auseinandersetzung mit den komplexen Problemstellungen von heute, von Lieferketten über KI bis hin zur Klimakrise und gesellschaftlichen Entzweiung, fordert jeden Menschen. Sich zu verstecken, sich auf die Position zurückzuziehen, so etwas doch nie gelernt zu haben – das kann man sich nicht mehr leisten. Nicht als Expert:in, nicht als Problemlöser:in und erst recht nicht als Entscheider:in. Wer systematisch vorgehen möchte, der muss systematisch denken. Und damit im Sinne der Komplexität auch systemtheoretisch. Diese Personen müssen sich den notwendigen Werkzeugkasten an Fähigkeiten aneignen, um Komplexität sinnvoll verstehen und Schlüsse aus ihr ziehen zu können. Denn erratisch entscheiden, das kann auch ein Münzwurf. Dafür brauchen wir keine Menschen (und nebenbei bemerkt auch keine KI). Wie gut bist du für die Herausforderungen von morgen aufgestellt? Für Märkte, für weltpolitische Situationen, die sich über immer kürzere Zeiträume immer radikaler verändern? Findest du schon Antworten? Oder orakelst du nur noch vor dich hin?