Verbesserung, Innovation und Transformnation

Verbesserung, Innovation und Transformnation

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 22. August 2023

Innovation ist ein großes Wort. Und wir verwenden es gerne. Wer innovativ ist, kommt voran und setzt sich ab von der Masse. Denn die ist ja (angeblich) nicht innovativ. Und damit man möglichst häufig in hellem Licht erstrahlt, wird schnell alles, was man tut, zur Innovation deklariert.

Oft sind die Entwicklungen, die vollzogen werden, aber alles möglich, nur nicht innovativ. Sie mögen notwendig sein, um nicht völlig ins Hintertreffen zu geraten (eine Rolle, die oft der Digitalisierung zukommt), oder sie mögen sogar den Status quo verbessern. Das allein macht sie aber nicht innovativ. So sind wir in Deutschland, gerade in der produzierenden #Industrie, echte Meister der kontinuierlichen Verbesserung: Hier noch ein paar Promille mehr Wirkungsgrad, da noch ein kW weniger Verbrauch pro Jahr. Und ein paar Gramm leichter werden wir auch alle paar Monate (etwas, worum ich mit zunehmenden Alter die produzierende Industrie beneide und nach Kräften versuche, ihr nachzueifern).

Bloße Verbesserung ist keine Innovation

So toll das alles auch ist, ich verweigere mich der Haltung, so ein Vorankommen wirklich innovativ zu nennen. Innovation bedeutet (zumindest für mich), neue Wege und Herangehensweisen zu finden, neue Anwendungszwecke zu erkunden und den Mut aufzubringen, dem „Stand der Kunst“ etwas entgegenzustellen, dass Probleme auf andere Arten und Weisen löst, als dies bisher der Fall war.

Wird Innovation so definiert, mit einer zugegeben hohen Messlatte, so zerfallen viele Innovationsvorhaben plötzlich in ihre Bestandteile. Haben Forschende und Innovatoren tatsächlich die Freiräume, die für diese Art von Innovation notwendig ist? Sind Probieren, Experimentieren, ja Spielen so weit in die typischen Arbeitsprozesse integriert, dass Innovation möglich wird? Und vor allem, löst man sich auch in diesem Zuge von Begriffen wie Innovationsmanagement und Innovationsdesign, deren Struktur- und Prozessorientierung echter Innovation eigentlich eher im Wege stehen?

So innovativ sind wir dann meist doch nicht. Und wenn, dann ist es eher der Zufall, der Innovation auslöst. Blindes Huhn, Korn, ihr wisst schon. Eine Systematik, die Innovation wirklich begünstigt, hat im prozessorientierten Unternehmen nicht wirklich Platz. Oder vielleicht doch?

Innovation und Transformation – Zwei Passagiere im selben Boot?

Neben möglichen Innovationspotenzialen wird auch das Thema der Transformation für Unternehmen immer wichtiger. Egal, ob #neueArbeit, #Digitalisierung, globale Handlungsfähigkeit oder gesellschaftliche Teilhabe, Transformation ist überall. Für einige Organisationen ist sie der zentrale Antrieb, für andere wird der Transformationsdruck dank Modernisierungsstau, Fachkräfteignoranz und NewWork-Verweigerung zunehmend zur echten Bedrohung.

Und Transformationsvorhaben scheitern. Oft, weil wir sie ganz klassisch als Projekte auffassen (die zugegebenermaßen auch schon häufig genug gescheitert sind) und nicht als kontinuierliche Prozesse, mit denen wir uns auf immer höhere Plateaus hangeln können. Und weil wir der Transformation nicht genügend Aufmerksamkeit schenken und die Freiräume schaffen, die nötig sind, um neue Bedingungen zu schaffen. Diese Dynamik, diese fundamentalen Voraussetzungen weisen tatsächlich interessante Parallelen zur Innovation auf. Ja, ich glaube sogar, dass Transformation und Innovation quasi Hand in Hand gehen. Die Möglichkeitsräume, die erfolgreiche Transformation aufmacht, gepaart mit guten Rahmenbedingungen (die natürlich auch Transformationsprozessen unterworfen sind) schaffen gerade die Grundvoraussetzungen, die für echte systematische Innovation vonnöten sind. Innovation wiederum kann es uns erleichtern, Transformationsprozesse besser zu steuern und schneller auf neue Plateaus zu gelangen.

Eine Investition in das Transformationspotenzial einer Organisation ist damit auch immer eine Investition in deren Innovationspotenzial (und umgekehrt). Und beide Potenziale zu nutzen, erfordert ähnliche Rahmenbedingungen.

Welchen Platz können Innovation und Transformation in modernen Organisationen einnehmen?

Innovation wie auch Transformation können dabei Hand in Hand gehen mit Prozessorientierung und klaren Strukturen. Ja, sie sind sogar darauf angewiesen. Prozesse und deren fortschreitende Automatisierung erlauben gerade die notwendigen Freiräume, moderne, aber immer noch strukturierte und eben nicht chaotische Arbeitsmethoden schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen. Die Kunst ist es, diese Strukturen und Dynamiken zu nutzen, um die kreative Leere für Innovation abzugrenzen und zu schützen, anstatt sie zu durchdringen.

An der Tafel in meinem Büro steht seit langer Zeit ein Spruch (keine Ahnung, ob der von mir ist oder ob ich ihn irgendwo einmal aufgeschnappt habe):

You can neither manage nor design what evolves continously

Bereiche mit hoher Dynamik (und genau die zeichnet Innovation und Transformation aus) benötigen gelebte Selbstorganisation und viel Freiraum. Design und Management sollten dazu dienen, diese zu schützen. Nicht dazu, sie zu behindern.

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