Kein Anschluss unter dieser Nummer
Vor gut 80 Jahren hat der große Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke prognostiziert, wie sich die Art und Weise der Arbeit mit der zunehmenden Technologisierung des Alltags verändern wird. Eine seiner stärksten Aussagen ist meiner Meinung nach dabei die folgende:
Men will no longer commute, they will communicate.
Die Welt schrumpft zusammen, Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Jeder ist jederzeit überall auf dem Planeten erreichbar. Ja, er sagte sogar, dass man nur noch zum Vergnügen reisen wird.
Die technischen und strukturellen Voraussetzungen für diese Vision haben wir eigentlich schon lange erreicht. Was wir nicht erreicht haben, ist Clarkes hinter diesen Annahmen stehende utopische Vision: Kommunikation ersetzt Reisen und Arbeiten ist von überall möglich.
In manchen Bereichen (z.B. der Wissensarbeit) konnten wir das mal, als es keine andere Möglichkeit gab. Aber viele Unternehmen geben sich jetzt doch redlich Mühe, genau das wieder zu vergessen. Und uns damit ein zusätzliches (und vielleicht sogar unnötiges) neues Hindernis auf dem Weg zur neuenArbeit in den Weg zu werfen.
Die Gründe, warum wir mit der freien Wahl des Arbeitsorts (und in gleichem Maße auch der Wahl der Arbeitszeit) nicht wirklich vorankommen, oder warum viele hier sogar in sehr restriktive und autoritäre Gewässer zurückrudern, erscheinen oft hanebüchen. In vielen Fällen ist das offensichtlich Blödsinn, manchmal offenbart sich die mangelnde argumentative Untermauerung auch nur auf den zweiten Blick.
Denn tatsächlich, verteiltes Arbeiten funktioniert oft nicht. Warum? Naja, vielleicht…
…weil es die Fehler, die uns in der Zusammenarbeit unterlaufen, potenziert und damit unangenehm sichtbar macht.
Denn scharfsinnigen Beobachter:innen fällt sicherlich auf: Kommunikation und Team-Produktivität laufen vor Ort gar nicht besser – man kann alles, was so schiefläuft, nur besser ignorieren und übertünchen. Der große Deckel des Schweigens ist halt groß genug für das eigene Bürogebäude, aber nicht groß genug für die Welt des Internets.
Nun seien wir mal ehrlich. Teams und auch Individuen haben nichts davon, wenn die Kommunikation nicht rund läuft. Egal, wo (und wann) man sitzt. Und eigentlich ist das der springende Punkt. Produktivität findet einen fruchtbaren Nährboden dort, wo effektiv kommuniziert wird. Dafür ist es egal, ob man auf derselben Etage, demselben Kontinent oder demselben Planeten sitzt. Und es ist auch in vielen Fällen egal, wie diese Kommunikation stattfindet, solange alle Beteiligten wissen, dass sie stattfindet und die richtige Information im richtigen Maße kommuniziert wird.
Wenn nicht effektiv zusammengearbeitet wird, dann wird meist auch nicht effektiv kommuniziert. Das ist ein zentrales Stellrad. An das Ding muss man ran. Alles andere ist Makulatur, Beschäftigungstherapie. Und vielleicht auch eine gehörige Portion Machterhalt (oder man erhält zumindest den Schein davon).
In vielerlei Hinsicht ist die Flexibilität von Arbeitszeiten und -orten echter und ehrlicher Agilität nicht unähnlich. Sie wirkt wie ein Vergrößerungsglas und macht es zunehmend schwieriger, systemisches Fehlverhalten zu verstecken. Man sollte meinen, dass das etwas Gutes ist.
Ist es auch!
Außer natürlich für diejenigen, die denken, dass zumindest sie persönlich einen Vorteil aus diesem systematischen Fehlverhalten ziehen können.
Es ist an den Unternehmen darüber zu entscheiden, ob sie solche Personen in Zukunft, gerade in Führungspositionen, noch dulden wollen. Oder sich dies überhaupt noch leisten können. Eins sollte aber klar sein: Echte neue Arbeit kann in einem Umfeld, dass solche Menschen kontrollieren, ganz bestimmt nicht entstehen.
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