Alle, das ist eigentlich niemand

Alle, das ist eigentlich niemand
Wir müssen ALLE mitnehmen!
Das hört man häufig, wenn es um Change oder Transformation geht.
Geht es ums Geld, da ist sich schnell jeder selbst der Nächste, aber bei Veränderungen teilt man gern. Die fallen den meisten Menschen nämlich eher schwer, und geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.
Oder auch gar kein Leid. Denn wer alle mitnimmt, der scheitert. Immer. Und man könnte fast zu der Auffassung kommen, dass das Absicht ist. Denn nichts diskreditiert Modernisierungs- und Transformationsvorhaben besser, als zu scheitern. Wir haben es ja versucht, aber es hat einfach nicht geklappt. Zu viel Widerstand von der Belegschaft. Und so weiter. Dass man eigentlich angetreten ist, um zu scheitern, das wird dabei gern totgeschwiegen.
Bewegen sollen sich bei Transformationsvorhaben nämlich überhaupt nicht alle. Sondern nur die kritische Masse. Die zieht bei jeder Veränderung, früher oder später, auch die Mehrheit mit. Auto, Internet, Smartphone, das waren alles keine Ideen, die alle mitgenommen haben. Im Gegenteil, die meisten waren von Anfang an dagegen. Ähnlich sieht es heute bei KI, Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit aus. Traurig, aber wahr. Und vielleicht auch gar nicht so schlimm.
Denn so eine Einstellung legt sich. Weil man früher oder später doch einräumen muss, dass gewisse Dinge einen Vorteil haben. Dass es ja doch nicht sooo schwierig ist. Und dass einem vielleicht über lange Zeit die Perspektive und auch die Vorstellungskraft gefehlt hat, diese wirklich zu sehen. Zurück bleiben dann nur noch die endgültig abgehängten. Das sind nicht so viele, und die nimmt ohnehin niemand mit. Die Kosten, das auch nur zu versuchen, übersteigen bei Weitem den Nutzen.
Organisationen und ihre Führungskräfte haben auch die Wahl. Teil der kritischen Masse zu sein, später hinterherzulaufen oder zu den Abgehängten zu gehören. Meine persönliche Empfehlung wäre, falls man nicht gerade eh vorhat, in den nächsten 10 Jahren alles hinzuschmeißen und stattdessen Emus oder Primeln zu züchten: zu den Abgehängten zu gehören ist keine nachhaltige oder wirtschaftliche sinnvolle Option. Nutzt lieber eine der beiden anderen. Auch und gerade, wenn euch nicht nur eure Zukunft, sondern auch die eurer Belegschaft und vielleicht sogar die eurer Nachkommen am Herzen liegt.
Und falls ihr euch nicht als Innovatoren und Trailblazer, als Macher, also als kritische Masse seht; dann schätzt wenigstens die Zeit, die euch bleibt, um nicht abgehängt zu werden, richtig ein. Das Auto brauchte 30 Jahre, um sich komplett durchzusetzen, das Internet nicht einmal 10. Das Smartphone nur noch 5. KI hat sich innerhalb von 2 Jahren ein halbes dutzend mal neu erfunden.
Wertschöpfung und Arbeit im Sinne der heutigen digitalen Zeit neu zu denken, das ist keine Generationenaufgabe mehr. Das ist eine Transformation aus Kurzzeitprojekten im Monats- oder sogar Wochentakt.
Denn der globale Markt hat das alles schon gedacht. Die kritischen Massen für ganz, ganz viele Themen sind schon lange durch. Und der komische Vogel, der wütend auf der Grenze zwischen Nachzüglern und Abgehängten auf und ab hüpft, ist schon erschreckend nah an vielen von uns dran. Bei gutem Wetter kann man schon das weiße in seinen Augen sehen.
Dementsprechend ist es vielleicht an der Zeit, Veränderungen nicht mehr scheitern zu lassen. Nicht mehr auf alle zu warten. Sondern auch loszulaufen. Man ist ja nicht allein unterwegs. Und geteiltes Leid … na, ihr wisst schon. ;)
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