No code
Alle sollen bitte lernen, zu programmieren. Möglichst früh, vielleicht in der Grundschule? Oder sogar im Kindergarten? Das schärft den Geist und das Digitalverständnis. Das ist ein wichtiger #FutureSkill.
Zugleich ist #lowcode und #nocode im Trend. Niemand soll bitte mehr programmieren müssen. Man kann sich das alles auch zusammenklicken. Oder noch besser, man beschreibt einer generativen KI, was man haben möchte und lässt den Code von dieser generieren.
Und jetzt kommt’s. Beides klappt nicht.
Ja, aber Hendrik, warum denn bloß nicht?
Wir bringen doch total vielen Schüler:innen ganz früh programmieren bei, wieso sind die noch schlecht in den MINT-Fächern, vor allem in Informatik? Und wenn wir ganz viele Menschen in Coding Boot-Camps und Developer-Umschulungen stecken, warum will die niemand einstellen? Warum ist auch heute die meiste Software, die produziert wird, objektiv betrachtet Mist?
Und warum produziert Low Code im Unternehmen genauso viel Chaos und Durcheinander wie die (immer noch viel zu verbreiteten) Excel-Sheets des digitalen Steinzeitalters?
Weil Programmieren und Prompten für sich genommen bloße, ja geradezu stupide Ausführungen ist. Im besten Fall das Befolgen von Rezepten, im schlimmsten erratisches Herumraten. Selbst, wenn du dein Arbeitsmaterial und deine Werkzeuge gut kennst. Wenn du nicht verstehst, was du da tust und warum, dann wird nun mal nichts draus. Egal, ob du jetzt als Schreiner einen Schrank oder als Programmierer eine Software bauen sollst.
Um zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen, braucht es fundamentalere Fähigkeiten. Und dazu gehört insbesondere die Fähigkeit #Modellbildung. Bevor Finger und Hände etwas bauen, sollte der Kopf tunlichst eine Vorstellung davon haben, was da entstehen soll. Ein abstraktes Bild des Ergebnisses. Das muss (und kann!) nicht perfekt sein. Es sollte aber gut genug sein, um nicht am Arbeitsziel vorbeizuschießen. Oder zentrale Dinge zu vergessen.
Viele, ich nenne sie jetzt einfach mal Basisskills, zahlen auf die Fähigkeit zur Modellbildung ein. Abstraktes und logisches Denkvermögen, Kreativität und Vorstellungskraft, kritisches und systemisches Denken und auch die Fähigkeit, Modelle zu visualisieren und zu kommunizieren.
Gleichzeitig trainiert die Tätigkeit der Modellbildung auch wieder diese Basisskills. Und das kommt vielen anderen Anwendungen dieser Fähigkeiten zugute, von besserem Mathematikverständnis bis zur ausgeprägteren politischen Bildung. Oh, und natürlich profitiert auch die Digital- und, falls das immer noch jemand für wichtig hält, die KI-Kompetenz davon.
Trotzdem betrachtet man Modellbildung gemeinhin als Nebenschauplatz. Thematisiert in Schul-, Aus- und Weiterbildung wird das Thema viel zu wenig. Vielen Arbeitgebern ist das Thema zu abstrakt – praktische Bildung wird doch gebraucht. Und vielen Lehrkräften ist das Ganze viel zu theoretisch – wie soll man Kinder, Auszubildende und Studienende dafür motivieren?
Aber: Ohne Modellbildung geht nichts. Kein Handwerk, kein Knowledge Working, keine Strategie, keine Politik, keine Wissenschaft.
Deshalb: Löst euch endlich von der Vorstellung, dass Modellbildung nicht gebraucht wird. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Es gibt viele Gründe, die eigene Fähigkeit zur Modellbildung immer wieder zu trainieren und herauszufordern. Sie links liegenzulassen, stumpft dagegen ab. Das erfüllt keinen echten Zweck.
Denn seien wir mal realistisch, dumme Arbeitsdrohnen benötigt heutzutage keine Gesellschaft mehr. Das Industriezeitalter ist objektiv betrachtet vorbei.
Noch nicht genug Text?
Dann empfehle ich diesen recht ausführlichen (englischsprachigen) Artikel von Philip Grabenhorst : https://medium.com/@phlip007/kids-dont-learn-to-code-7e19e6b91d5f.
Oder lest mal wieder The Design Of Everyday Things von Donald Norman. Das wird auch nie langweilig.
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