Lieber Datenliterat, heftest du noch ab?
Es wird viel über Digitalkompetenz geredet und wie diese aussehen müsste. Und wo sie überall fehlt. Meinungen dazu gehen weit auseinander, und vieles davon sind auch eher theoretische Konstrukte. Oder (durchaus auch in ihrer Nützlichkeit anzweifelbare) Vorgehensweisen für die Zukunft.
Doch was nützt uns jetzt? Was können wir tun, um mehr Digitalkompetenz zu erlangen? Nun, wir können an den Grundlagen arbeiten. Und eine dieser Grundlagen ist Datenkompetenz. Eine sehr interessante, erst gestern von Markus Thäter hier auf LinkedIn angestoßene Diskussion hat mich noch einmal darauf gestoßen.
Heute wird es deshalb auch etwas philosophisch. In der Hoffnung, ein paar Denkanstöße zu generieren, mit denen du die Datenkompetenz in deiner Organisation ein wenig voranbringen und auch längst überfällige alte Zöpfe endlich loswerden kannst.
Wer digital kompetent sein will, muss mit Daten umgehen können. Man muss die statische Natur von Daten (wie sie aufgebaut sind, was sie beinhalten, was sie nicht beinhalten) genauso verstehen lernen wie auch ihre Dynamik (wie sehen Datenflüsse aus, wie werden Daten transformiert und transportiert). Und dazu gehört es auch, sich von analogen Analogien 😁 in diesem Bereich zu lösen.
Gerade der letzte Bereich ist immens wichtig. Zum Beispiel ist ein falsches Datenverständnis oft davon geprägt, dass wir dazu neigen, nicht in Daten, sondern in Dokumenten zu denken. Dokumente sind ein menschengemachtes Mittel, um Daten zusammen zufassen oder um sie zu kategorisieren. Das ist für uns nützlich, um in der physischen Welt über Daten den Überblick zu behalten. In der digitalen Welt, in der wir es mit immer mehr Daten, mit immer mehr Verknüpfungen und immer mehr Dynamik zu tun haben, ist diese Sicht aber hinderlich.
Dokumente, die wir im digitalen Raum durchaus haben und auch benötigen (denken wir nur mal an unsere geliebten Verträge, Rechnungen und Zertifikate), sind kein Arbeitsmittel. Sie sind ein Arbeitsergebnis. Ist ein Datenverarbeitungsprozess abgeschlossen, dann entsteht am Ende ein Dokument. Optimalerweise eins, das unveränderlich ist und nur noch dazu dient, das Arbeitsergebnis in einer Form festzuhalten, die wiederum auch in der physischen Welt funktioniert.
Alles, was davor passiert, ist Datenverarbeitung, ganz klassische EDV (wenn auch natürlich in zeitgemäßer Komplexität mit KI, RPA, digitalen Prozessen, allem Zipp und Zapp halt). Und als solche müssen wir sie auch betrachten. Arbeit auf Daten hat vielleicht das Ziel, neue Daten (oder am Ende ein Dokument, das ja eigentlich auch nur ein Datum ist) zu generieren. Aber bis zu dieser Generierung ist das Arbeitsergebnis flüchtig. Ein Zwischenstand, der für sich genommen keinen Mehrwert hat, denn der Datenverarbeitungsprozess ist ja noch nicht abgeschlossen.
Als Jäger und Sammler neigen wir dazu, solche Zwischenstände mehr oder weniger organisiert zu horten. Wirf mal einen Blick auf deine Festplatte oder in deinen Cloudspeicher. Wahrscheinlich liegen dort eine ganze Menge Officedateien herum, oder? Welche davon sind aktuell, welche fertig, welche noch in Arbeit? Welche überflüssig, weil ihr Endergebnis schon längst vorliegt? Oder weil sich ihr Inhalt jederzeit aus anderen Datenquellen per Knopfdruck regenerieren lässt?
Wenn du dokumentenzentriert denkst, dann ist dein Vorschlag an dieser Stelle wahrscheinlich Dokumentenmanagement, um diesem Chaos Herr zu werden. So richtig schön mit automatischer Versionierung und Freigabeprozessen. Aber auch das ist eigentlich eine Prozesssammlung, die der analogen Welt entstammt. Korrekt ausgefüllte Dokumentköpfe. Sauber beschriftete und indizierte Aktenordner. Und Genehmigungsstempel auf allem, was fertig ist. Auch das ist irgendwie Datenverarbeitung. Aber ist das schön? Macht das Spaß? Und vor allem: ist das zeitgemäß und zukunftssicher?
Datenzentriertes Arbeiten sieht anders aus. Hier bilden digitale Systeme die Datensätze und auch den Zustand ihrer Verarbeitungsprozesse vollständig ab und setzen diese in Beziehung zueinander. Alles bleibt im System. Und wenn du einen Arbeitsprozess verlässt (und nicht zufällig jemand anders ihn erledigt), dann kannst du ihn jederzeit wieder aufnehmen. Das ist Datenmanagement.
Und eigentlich ist genau das notwendig, damit du deine Datenkompetenz auch voll zum Einsatz bringen kannst.
Ist dein Officepaket damit überflüssig und tot? Wahrscheinlich nicht, niemand nimmt dir Excel/Calc/Numbers oder Word/Docs/Pages weg.
Denn das, was du in diesen Programmen machst, ist auch Datenverarbeitung. Von Hand und mit Krücken und oft mit einer gewissen (nicht dir, sondern der Arbeitsweise geschuldeten) Naivität gegenüber der Dynamik und gegebenenfalls auch Flüchtigkeit der von dir verarbeiteten Daten. Und verbunden mit dem Drang, doch wieder in Dokumenten zu denken. Aber das ist nicht schlimm. Zumindest, so lange du dir dieser Dinge bewusst bist (auch das ist Datenkompetenz, übrigens).
Denn was sich ändern sollte, ist deine Perspektive auf das, was du mit diesen Programmen tust. Und ob dies wirklich der beste Weg ist, deinen Job zu machen.
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