Passion impossible?
Hallo LinkedIn, es ist schon wieder Freitag.
Wie wichtig sind eigentlich Leidenschaft (und in gleichem Maße auch Sinn) auf der Arbeit? Im Kontext neuer Arbeit reden wir ja gerne davon, wie sehr der Fokus auf mehr Sinn auf der Arbeit gelegt werden soll. Aber stimmt das überhaupt? Suchen wir Sinn auf der Arbeit? Müssen wir für diese wirklich leidenschaftlich brennen, um sie zu erledigen? Was bleibt von uns, wenn wir das tun? Und was bleibt von unserer Gesellschaft, wenn alle das tun?
Newwork als Trend bezieht sich ja auf alles Mögliche. Teilweise, wenn man Glück hat, sogar auf Frithjof Bergmanns ursprüngliche Idee, oder auch auf daraus (mehr oder weniger direkt) abgeleitete Ideen wie die New Work Charta von Väth oder die Empowerment-Theorie Schermulys. Und nicht nur auf irgendwelches wirtschaftsesoterisches Geschwurbel, was sich gut in den sozialen Medien macht.
Sehen möchte man das, was dort dann geschrieben steht, aber in der Praxis nicht so gerne - viele heutzutage praktizierten Ansätze von neuer Arbeit wollen das (angeblich) pragmatischer und zügiger angehen.
Und so wird Sinn gefordert, anstatt Dingen Sinn zu geben. Autonomie wird verlangt, obwohl der Wille, Verantwortung zu übernehmen, überhaupt nicht vorhanden ist. Leidenschaft wird an den Tisch gebracht, nur leider nicht für die Themen, für die ein Unternehmen die Leidenschaft wirklich bräuchte. Zugleich redet man viel von Selbstorganisation, ist aber nicht bereit, Entscheidungen und Budgets in die Hände derer zu geben, die sich da selbst organisieren sollen. Man fordert innovative Gedanken und Ideen, aber doch bitte nicht zur Arbeitszeit. Man will unternehmerisches Denken sehen, und erwartet dies auch von Leuten, die einfach nur ihren Job machen wollen. Es wird viel von Freiheit geredet, schafft aber keine Freiräume. Oder man schafft sie, aber niemand nutzt sie.
Vor allem aber bleiben die Kernelemente der Idee davon weitestgehend New Work unberührt. Wer gibt schon eine sinnige Antwort auf die alte Frage „Was ist die Arbeit, die du wirklich, wirklich machen willst?“ - obwohl diese Antwort Sinn wie Leidenschaft abdecken würde und man endlich aufhören könnte, danach zu suchen. Und für die, die diese Antwort geben können, stellt sich die weitere (und ebenso wichtige) Frage: Bist du wirklich Teil deines sozialen Umfelds? Erlaubt deine Antwort auf diese Frage wirklich auch allen anderen sich selbst diese Frage zu beantworten? Oder nimmst du ihnen etwas weg? Denn sich selbst auf Kosten anderer zu verwirklichen, das ist keinen Deut besser als Old Work. 🤨
Im Ganzen betrachtet ergibt sich so bei vielen Vorhaben im Bereich der Arbeitstransformation ein Muster, das nicht neu ist. Das hatten wir bei Change schon. Und bei Agilität: Mach den Teil, der fancy ist, und lass die schwierige und wirkliche Mühsame Arbeit weg. Bleib ungeduldig. Dann rege dich darüber auf, dass nichts funktioniert und mach es schlecht. Denn schuld ist das Werkzeug, aber bestimmt nicht du. 🙄
Vielleicht ist das der Grund, weshalb New Work-Initiativen in der Praxis so oft scheitern? 😉
Das ist übrigens kein Führungsproblem! Neue Arbeit kann nur klappen, wenn alle sich in Selbstdisziplin, Rücksichtnahme, sozialer Verantwortung und Geberhaltung üben. Das schließt insbesondere auch Mitarbeitende mit ein. Und auch von Bewerbern sollte man diese Einstellung einfordern. Ansonsten bleibt wie auch immer gestaltete Arbeit nämlich sinnlos und leidenschaftliche Energie geht eher in Blockadehaltungen ein, als dass sie Dinge voranbringt.
PS: Dieser Artikel zerstört sich übrigens nicht selbst. Und da du ihn bis hierhin gelesen hast, erübrigt sich wohl auch die Frage, ob du den ihm innewohnenden Auftrag annimmst. 😁
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