Von Strategien und Betonwänden

Von Strategien und Betonwänden

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 26. August 2025

Alle reden von Strategien, aber irgendwie hat keiner nen Plan, der die Realität übersteht. Das ist jetzt nichts Neues. Aber insbesondere jetzt, wo KI (klassisch bis hin zu LLMs) so langsam, wirklich überreif für den Unternehmenseinsatz ist, fällt uns das auf die Füße. Mal wieder. Denn mal ehrlich, als alle in Daten gemacht haben, da ging das für viele genauso schief. Und als alle in Digitalisierung gemacht haben? Auch. Industrie 4.0, Cloud, Blockchain, Serviceorientierung, Buzzwords haben wir da viele angesammelt, aber Bingo, das durften nur die wenigsten rufen.

Reden wir mal Klartext. Zum Beispiel über KI.

Ein Thema, das uns gleich in mehrfacher Hinsicht hart trifft. Erstens, weil uns ständig Menschen erzählen, dass wir das in Deutschland und in Europa überhaupt nicht können. Zweitens, weil jeder plötzlich ein Experte für KI ist und uns erzählt, wie uns das den Arsch rettet. Und drittens, weil wir diesen ganzen gequirlten Mist leider allzu schnell auch glauben. Und damit dann mit großem Enthusiasmus komplett gegen die Wand fahren. Gerne auch mehrfach – Beton kann ja was ab.

Ein gefundenes Fressen für die Kritiker und Ausbremser, die uns so schon erfolgreich die Früchte der letzten Iterationen des technischen Fortschritts gekostet haben. In der Verwaltung, im Mittelstand, im Handwerk. Und damit auch in der Gesellschaft als Ganzes.

Ja, wir brauchen Mut und Risikobereitschaft, wir brauchen mehr Innovation, wir brauchen mehr Platz zum Experimentieren. Wir brauchen aber auch Zielsetzungen, um da nicht einfach frei zu drehen und wir brauchen Strategien, um das, was wirklich funktioniert, sinnvoll in den Alltag zu überführen. Und wir brauchen Sachverstand. Der sagt uns nämlich, dass viele der Abkürzungen, die uns heutzutage viele Expert:innen andrehen wollen, eben keine sind.

Um das mal in aller Klarheit loszuwerden:

Es gibt keine Abkürzungen.

Es gibt Mittel und Wege, die es uns erlauben, aufzuholen. Die uns vielleicht erlauben, gleichzuziehen. Und die uns im besten Fall ermöglichen, unsere Stärken so auszuspielen, dass wir ganz vorne mitspielen können.

Aber den Schleichweg, um nach ganz vorne zu kommen, den können nur Blender beschreiten. Diejenigen, die nur verbrannte Erde hinter sich lassen. Denen Unternehmen, und mehr noch Menschen, eigentlich ziemlich egal sind. Tragfähige, langfristige Strategien stellen solche Menschen nicht auf. Jedes Schnellballsystem, jedes Ponzi-System bricht irgendwann zusammen. Die begabtesten sorgen vielleicht dafür, dass sie die (immensen) Kosten des Zusammenbruchs nicht tragen müssen. Aber irgendwer muss sie tragen.

Familien- und Traditionsunternehmen, Purpose-Driven-Companies, Kleinunternehmer, etablierte Mittelständler, wer irgendwie an seinem Unternehmen und dem Umfeld dieses Unternehmens hängt, kann durch diese Vorgehensweisen nur verlieren. Solche Unternehmen müssen harte Arbeit in den strategischen Fortschritt investieren, nicht nur um wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern auch die Straßenspielertricks, mit denen man ständig vor ihrer Tür steht, durchschauen zu können.

Strategie erfordert Kompetenz. Modernisierung erfordert Fundamente. Wachstum erfordert Skills. Zukunft erfordert Arbeit. Nicht einfach mehr Arbeit, so wie die wenig vorbildhafte Politiker das einfordern. Sondern schlaue, smarte Arbeit. Die strategisch gesteuert wird.

Gute Strategien:

  • Betrachten Risiken realistisch

  • Sind anpassbar bei veränderlichen Rahmenbedingungen und entwickeln sich weiter

  • Schaffen Leitlinien, damit die Compliance nicht zu kurz kommt

  • Schaffen Freiräume, damit Lösungsfindung und Innovation möglich werden

  • Identifizieren vorhandene und notwendige Kompetenzen

  • Nehmen alle Beteiligten, vor allem die Führungsetage, in die volle Verantwortung

  • Geben der Entwicklung einer Organisation eine klare Richtung

Und das zeigt eigentlich schon: Es gibt nicht die Strategie, die mit Erfolg zum Ziel führt. Kein Patentrezept. Es gibt nur eure Strategie, die euch euren Zielen näher bringt. Und für die ihr selbst letztendlich verantwortlich seid.

Und ja, das gilt auch für KI. Das ist kein technisches Thema, das ist keine Frage, ob du im Marketing geile Texte für fast Lau raushauen kannst, Programmierer entlassen kannst oder nie wieder selbst ‘ne Email beantworten musst. Erfolgreicher KI-Einsatz ist nur dann drin, wenn du ihn strategisch angehst. Wenn du verstehst, was du da tust und warum. Und das auch allen Beteiligten vermitteln kannst. Nicht dieselben Fehler machst, wie beim Aussitzen oder widerwilligen Mitnehmen der letzten Innovationsschübe. Die du übrigens jetzt, sorry das sagen zu müssen, auch noch zusätzlich nachholen musst, weil KI sonst keinen Sinn stiften kann – sondern maximal hilft, die Fehler aus der Vergangenheit besser zu verstecken.

Du kannst natürlich so tun, als würdest du ganz vorne mitspielen, fleißig Produkte kaufen, auf denen KI steht, das drölfzigste „Wie ChatGPT meine Teeküche therapiert hat“-Seminar besuchen oder dir ohne Ende LLM-basierte Funnels und Workflows bauen lassen.

Das ist nett. Boden machst du damit aber maximal kurzfristig wett. Der KI-Hype wirkt zwar wie ein Sprint, aber eigentlich ist das nur ein erratisches durcheinander rennen vieler (und zunehmend agentischer) Hühner. Hinter der Blase, da steht ein Marathon. Den gewinnt man nicht mit Feuerwerk und Turbolader. Sondern mit, na? Genau, der richtigen Strategie.

Dr. Kelso (die Nerds wissen, wen ich meine) hat dazu mal einen sehr weisen Satz gesagt:

Nothing worth having comes easy.

Man kann beschäftigt tun. Sinnvoller ist die Energie aber in einer zukunftsfähigen Strategie aufgehoben, denn die entsteht nicht aus der leeren Luft von selbst (und nein, ChatGPT schreibt die auch nicht mal eben für dich). Das gilt, gerade jetzt, auch für KI.

Und? Wie sieht deine KI-Strategie aus? Hast du überhaupt schon eine?

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