Vergessene Berufe
Wir sind ja gerade wieder in so einer Zeit, in der angeblich viele Berufe aussterben (negativ formuliert) oder transformiert werden (positiv formuliert. Aber Vorsicht, Transformation heißt oft auch nur Menschen auf die Straße setzen).
Wir reden aber wie ich finde viel zu wenig über Berufe, die gerade wieder im Kommen sind. Und ganz besonders über einen, der gerade wieder ganz stark im Kommen ist, obwohl wir uns in der neuen Arbeit, in der agilen Transformation und sogar in der modernen Führung in den letzten 20 Jahren wirklich redllich Mühe gegeben haben, ihn abzuschaffen:
Den Mikromanager
Wir kennen ihn alle. Und fast alle von uns lieben ihn nicht so wirklich. Ihm unterstellte Mitarbeitende sind stets genervt durch seine Einmischung und Besserwisserei, wer auf ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit hofft, scheitert am engen Korsett, dass der Mikromanager aufgestellt hat. Und die Etage drüber ärgert sich, weil der Mikromanager ja eigentlich nur dafür sorgt, dass alles zweimal gemacht wird. Einmal durch die Mitarbeitenden, und dann nochmal durch ihn. Und das alles sind nur die direkten Auswirkungen, die so ein Mikromanager auf sein Umfeld hat.
Als Randnotiz sei angemerkt, dass der Mikromanager meiner Meinung nach, auch heute noch, oft ein direktes Resultat fehlgeleiteter Beförderungspolitik in einem Unternehmen ist. Darüber, dass wir (leider) immer noch Menschen, die sich im operativen Bereich als besonders fähig und fleißig heraus gestellt haben, in Führungspositionen befördern, ohne wirklich zu schauen, ob diese auch Führungsqualitäten haben, schrieb ich ja schon häufiger. Solche Menschen sind prädestiniert, Mikromanager zu werden. Denn eigentlich wollen sie ja weiterhin das machen, was sie am besten können. Das machen aber jetzt andere. Und da nagt natürlich schnell an einem, dass sie das vielleicht nicht so gut machen wie man selbst. Sprich, wenn wir keine Mikromanager haben wollen, sollten wir uns vielleicht auch keine backen. Aber wie gesagt, die sind wieder gut im Kommen, vielleicht war’s also auch goldrichtig das jahrzehntelang so zu machen…
Und ausgerechnet diese Typen sollen jetzt wieder in Mode kommen? Solche Bremser ausgerechnet da, wo alles immer schneller gehen soll?
Ja, zumindest kann man das glauben. Da gibt’s gute Argumente für. Denn mal ehrlich, wer wäre denn bitte besser geeignet eine Horde übereifriger, mit extremen Wissen aber leider auch einem extremen Aufmerksamkeitsdefizit und viel zu kleinem Kurzzeitgedächtnis ausgestatteten Helfer unter Kontrolle zu halten? Klar, Erzieher:innen, aber mal ehrlich, von denen haben wir eh schon viel zu wenige.
Und so sieht’s nun mal aus. Die Zeichen stehen alle auf KI Agenten, zumindest wenn es nach den KI Konzernen und den Meinungen in vielen Führungsetagen (und den Tech Bros auf LinkedIn natürlich) geht. Und KI Agenten wollen orchestriert werden (ich frage mich ob man Kindergartengruppen heute auch orchestriert; und ob man das sollte?). Die haben Rückfragen. Die produzieren massenhaft Ergebnisse. Und fordern ständig Entscheidungen an. Im Dauertakt. Das alles muss ja jemand abarbeiten.
Na, wer könnte das wohl besser als ein:e Mikromanager:in? Gut, als jemand, der ständig ausbremst, wird diese Person wohl lernen müssen, die Schlagzahl drastisch zu erhöhen. Denn KI-Agenten haben selbst ne hohe Schlagzahl. Und wenn man ihnen nicht hinterherkontrolliert, kommen sie auch ganz schnell auf dumme Ideen. Datenbanken löschen. Oder Firmenassets gegen Cryptowährung eintauschen.
Der Alptraum aller Mikromanager, das jemand Fehler macht, die er ja selbst nie machen würde, der könnte sich hier ganz flux bewahrheiten. Also, Mikromanager dieser Welt, wir verlassen uns auf euch. Eure Zeit ist gekommen! Seid auf Zack!
Du merkst schon, ich hab da so meine Gedanken zu dem Thema (also nicht nur zu Mikromanagement, sondern auch zu KI-Agenten) und kann meinen Sarkasmus vielleicht nicht ganz so gut verbergen. Ich behalte diese Gedanken aber mal ausnahmsweise für mich. Denn ich möchte eigentlich, dass du dir auch da ein paar Gedanken zu machst – gerade wenn du Entscheider:in bist oder einen gewissen Einfluss auf solche Menschen hast.
Was machen Mikromanager mit deinem Unternehmen heute? Was haben sie früher gemacht? Und was passiert wohl, wenn du deine Belegschaft mit der Prämisse ins KI-Zeitalter führst, dass alle irgendwie zu Mikromanagern werden müssen?
Kannste mir gerne schreiben und dann diskutieren wir’s.
PS: Und ja, das Bild, dass Nano Banana 2 mir zum Thema gebaut ist ja wohl echt der Hammer… 😁
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