Sinnfreie Sinnsuche sucht Sinnhaftigkeit
Ergibt das Sinn? Angeblich befinden sich ja immer mehr Arbeitnehmer:innen auf Sinnsuche. Und je jünger sie sind, desto sinnbestimmter sind sie auch, sagt man. Erstaunlich wenige Menschen, die darüber berichten, machen sich aber die Mühe, etwas genauer darauf einzugehen, was Sinn überhaupt sein soll. Und das macht die Diskussionen zu diesem Thema wirklich schwierig.
Sinn scheint viele Bedeutungen zu haben. Wenn man sich abwertend darüber äußern möchte, dann geht es bei der Suche nach Sinn oft um persönliche Verwirklichung – natürlich auf Kosten des Arbeitgebers. Ob das objektiv richtig ist, sei einmal dahin gestellt. Oft scheint bei den sich entsprechend äußernde Personen eher die eigene Profilierung (also persönliche Verwirklichung) auf Kosten anderer eher im Mittelpunkt zu stehen. Urig, oder?
Wieder andere Menschen verwenden das Wort Sinn, weil ihnen einfach nichts Besseres einfällt. Sie merken, dass sie einige ihrer Bedürfnisse nicht erfüllen können. So wirklich den Finger darauf legen können oder wollen sie aber nicht.
Treibend ist bei der Sinnsuche, zumindest in der Arbeitswelt, gar nicht einmal die Sinnerfüllung, sondern eher die empfundene Sinnlosigkeit des eigenen Tuns. Konkrete Arbeitsumstände, fehlende Transparenz und unfähige Vorgesetzte, können dafür verantwortlich sein – objektiv betrachtet sind die meisten Tätigkeiten nicht sinnlos, sie kommen uns nur so vor. Oft geht es dabei gar nicht um Sinn, sondern um Sichtbarkeit. Werde ich gesehen? Wird meine Arbeit gesehen? Ist sichtbar, dass meine Kolleg:innen und ich etwas zum Unternehmenserfolg beitragen? Ist das nicht gegeben, und das ist ja keine Seltenheit, dann kommt einem das eigene Tun schon sinnlos vor.
Schlimmer noch, so etwas behebt man nicht durch Sinnhaftigkeitsinitiativen. Purpose ist toll, sozialesEngagement ist super. Aber die empfundene Sinnlosigkeit der Menschen im Unternehmen, die nicht das Gefühl haben, an diesen Initiativen wirklich beteiligt zu sein, verschwindet dadurch ganz bestimmt nicht. Was verschwindet, sind Leistungsträger:innen, die keinen Bock mehr auf Unsichtbarkeit und Unsinnigkeit haben. Das ist dann teuer – und damit vor allem eins: sinnbefreit.
Vielleicht ist es gar nicht so dumm, das Symptom der Sinnsuche mal links liegenzulassen und etwas Ursachenforschung zu betreiben. Dinge zu untersuchen, zu richten und das, was falsch läuft, geradezubiegen. Denn das ergibt eventuell mehr Sinn als sich über Sinn und Unsinn der Arbeit zu streiten.
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