Happy new work 2024
Frohes neues Jahr! Ich hoffe, ihr seid alle gut durch die Feiertage gekommen und konntet euch im Kreise eurer Lieben ein wenig erholen und entspannen. Jetzt liegt ein neues Jahr vor uns. Ein arbeitsreiches Jahr. In dem sicherlich Veränderungen anstehen werden.
Heute schrieb etwa ein gewisser Frank Thelen, dass 2024 das back2theoffice-Jahr werden wird. Mich hat das irritiert. Und das nicht nur, weil selbiger Herr Thelen dazu vor nicht allzu langer Zeit noch eine ganz andere Meinung hatte (die darf man ja ändern, das ist völlig okay). Sondern weil die Begründung dafür wieder auf denselben Plattitüden basiert, derer man sich hier immer bedient: Richtig zusammenarbeiten kann man doch nur, wenn man physisch zusammen kommt. Oder sarkastischer formuliert: Genau! Deshalb haben wir auch solch eine produktive Meeting-Kultur in den meisten Unternehmen. Deshalb vertrauen die Mitarbeitenden einander auch blind, einfach, weil sie im selben Bürogebäude sitzen. Deshalb sind Menschen, die ständig aufeinander hocken, auch extrem gut darin, komplexe Problemstellungen anzugehen.
Lieber Frank, wer gut und modern führt und/oder kollaboriert, schafft das auch im Remote-Kontext. Wer schlecht führt, führt auch lokal schlecht. Führen und zusammenarbeiten, das heißt auch immer Distanzen zu überbrücken. Und die Distanzen, die Zusammenarbeit zur Qual machen, sind in beinahe allen Fällen nicht die räumlichen.
Aber eigentlich ist das nur ein Symptom. Ein Spezialfall. Holen wir doch einmal weiter aus.
2024 wird sich so vieles (weiter) ändern, was wir nicht kontrollieren können. Und damit muss sich dann in unserem Denken und Handeln auch einiges ändern. Ich halte zum Beispiel die folgenden Entwicklungen für recht wahrscheinlich – eingetreten ist dies alles in gewissem Maße schon; es muss eigentlich nur noch die kritische Schwelle der Ignoranz überwinden:
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Der volkswirtschaftliche Schaden des Klimawandels und des nicht nachhaltigen Wirtschaftens (auch und gerade in der öffentlichen Hand) wird nicht mehr zu ignorieren sein. Marode (oder überschwemmte) Verkehrsinfrastruktur, auf Straße wie Schiene, bremst Lieferketten und Logistik aus. Anspannungen im Gesundheitssystem sorgen für schlechtere Versorgung und höhere Krankenstände. Und die verfehlte Umweltpolitik der letzten zwanzig Jahre muss auf Kosten aller nun im Eiltempo nachgeholt werden.
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Globale Krisen werden den (gefühlten wie realen) Rohstoff- und Energiemangel weiter verschärfen. Handelskonflikte und nationale Abschottungen verzögern oder blockieren globale Lieferketten. Und Energie wird teurer. Nicht immer und unbedingt auf dem Erzeugermarkt, aber sehr wohl auf dem Verbrauchermarkt. Mit weniger Energie und Rohmaterial auskommen zu müssen und Erzeugnisse schlechter handeln zu können, das mag vorhersehbar gewesen sein. Nützen tut diese Erkenntnis einer Wirtschaft, die sich vor allem auf Produktion und Export gründet, wenig.
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Auf dem Arbeitsmarkt werden härtere Bandagen angelegt – auf beiden Seiten. Dem “War for Talent” folgt der “War for jobs”. Starre Verhandlungspositionen bei Talenten wie bei Unternehmen bieten immer weniger Möglichkeiten für Übereinkünfte. Fachkräfte müssen sich innerhalb ihrer Tätigkeit immer breiter aufstellen und mit immer mehr Wissen aufwarten können. Je komplexer die Jobs, desto weniger Bewerber. Daraus folgt umgekehrt aber nicht, desto komplexer die Jobs, desto besser die Konditionen. Eher wird desto radikaler wegoptimiert, was für das Überleben des Unternehmens nicht unbedingt notwendig ist. Für Sonnenschein-Direktorenposten ist kein Platz mehr. Und ebenso wenig für Blender mit überzogenen Gehaltsvorstellungen, die in keinem Verhältnis zu ihren realen Leistungen stehen.
Diese Probleme können wir auch 2024 geflissentlich ignorieren oder uns von politischen Populisten und wirtschaftlichen Lobbyisten als Schuld der Anderen „schönreden“ lassen. Verschwinden werden die Probleme dadurch nicht.
Die Alternative dazu ist, die zugehörige (und in aller Regel leicht durchschaubare) Rhetorik links liegen lassen und zu beginnen, sich an diese Veränderungen anpassen. Nicht meckern. Machen! Auch, wenn es weh tut – oder es sich zumindest so anfühlt. Denn zum Anpassen gehört, vieles von dem zu tun, was schon seit Jahren von vielen gepredigt, aber nur von den wenigsten beherzigt wird:
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2024 gilt es, endlich ressourceneffizient zu handeln. Und das betrifft nicht nur Rohstoffe, Kraftstoffe und Strom. Prozesse und Verfahren gehören auf den Prüfstand und müssen nicht nur systematisch analysiert, sondern auch optimiert, ersetzt oder gestrichen werden. Selbiges gilt für Lieferketten – pauschales just-in-time hat ausgedient. Auch in der Produktentwicklung, egal ob Maschine oder Software, gilt es Dinge zu überdenken. Für Overengineering darf ebenso wenig mehr Platz sein wie für überdimensionierte Entwicklungs- und Projektteams.
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Spezifisch bedeutet dies auch, in diesem Jahr das Thema Digitalisierung nicht noch weiter zu schieben, sondern alles, was irgendwie zur Verfügung steht, in die Digitalisierung des eigenen Unternehmens zu stecken. Sei es im Sinne der Modernisierung, Automatisierung oder Absicherung. Denn effektiv mit Fachkräfte- und Ressourcenmangel umzugehen, das ist ohne eine durchgehende Digitalisierung heutzutage nicht mehr möglich. Genauso, wie eine Geschäftskontinuität nur dann wirklich gegeben ist, wenn diese Digitalisierung auch fest auf den Füßen der stetigen Ausbaufähigkeit und gleichzeitig maximaler Sicherheit steht. Zugleich gilt es natürlich dabei auch wieder die Ressourceneffizienz nicht aus den Augen zu verlieren. Jede einigermaßen bewegliche Organisation, bis hin zum großen Mittelständler in der Hidden Champion-Liga, muss sich von jahrelangen Transformationsprojekten verabschieden. Digitaler Fortschritt muss stufenweise erfolgen können. Digitalisierung muss Mehrwerte nach einigen Wochen, spätestens Monaten einfahren. Nicht erst nach Jahren, wenn das, was man eingeführt hat, schon wieder hoffnungslos veraltet ist. Sonst wird sie für die allermeisten Organisationen wieder nur zu dem, was sie heute schon oft ist: zum Selbstzweck ohne echten Nutzen.
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Digitalisierung fängt auch manche, aber bei Weitem nicht alle Effekte des Fachkräftemangels auf. Deshalb ist 2024 auch das perfekte Jahr, um die eigene Personalstrategie einmal gründlich zu überdenken. Und allen people&culture-Initiativen zum Trotz – auch das ist eine Ressourcenfrage. Es fehlt an Fachkräften. Deshalb müssen wir den Fachkräften, die wir haben, erlauben, so effektiv und so effizient wie möglich zu arbeiten. Mit dem Diktat der Anwesenheitspflicht kommt man da ebenso wenig voran, wie mit einer holokratischen Träumerei voller vollautark handelnder Teams. Personalentwicklung und Recruiting braucht kein Branding, sondern Ehrlichkeit. Klar kommunizierte Bedürfnisse und Erwartungen (auf beiden Seiten) werden zur Pflicht. Und das Schaffen eines Umfelds, in dem diese Bedürfnisse bedient und Erwartungen erfüllt werden können, ebenso. Es geht nicht mehr darum, was Geschäftsführer und Führungskräfte vielleicht als produktiv empfinden. Sondern darum, was für operativ tätige Angestellte (also diejenigen, die tatsächlich die eigentliche Wertschöpfung betreiben) am produktivsten ist. Trotzdem muss klar sein: wer als Mitarbeiter:in (klar kommunizierte und realistische) Erwartungen fortwährend nicht erfüllt, der muss sich mit weniger zufriedengeben - oder im schlimmsten Fall mit nichts.
Was ich mir für 2024 wünsche, ist vor allem eins: Ehrlichkeit. Mehr Ehrlichkeit zu sich selbst, mehr Ehrlichkeit gegenüber den Menschen, mit denen man und für die man Wert schöpft. Mehr Ehrlichkeit und Kontinuität in der Kommunikation, die mitnichten nur um Office stattfindet. Mehr Ehrlichkeit gegenüber dem, was möglich ist. Mehr Ehrlichkeit gegenüber dem, was notwendig ist. Und mehr Ehrlichkeit gegenüber den äußeren Umständen und dass es vielleicht doch gar nicht mal so selten an einem selbst liegt, wie man mit diesen umgeht.
Willst du dich und deine Unternehmung ehrlich und pragmatisch für das aufstellen, was 2024 bringt? Dann lass uns mal schnacken. Mich interessiert brennend, was du vorhast. Und natürlich, ob du Unterstützung dabei gebrauchen kannst.
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