Keine Korrelation ist erst recht kein Kausalzusammenhang

Keine Korrelation ist erst recht kein Kausalzusammenhang

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 24. Februar 2024

Heute fasse ich mich kurz, versprochen.

Wer strategisch Organisationen führen oder begleiten will, kennt vielleicht einen der meist ignorierten Lehrsätze überhaupt:

Correlation ist not causation.

Eine Korrelation von zwei Vorkommnissen sagt erst einmal nichts über einen möglichen Kausalzusammengang aus. Haben wir zwei Vorkommnisse, dann können diese miteinander korrelieren – sie scheinen in Wechselwirkung miteinander zu stehen. Ob es wirklich einen kausalen Zusammenhang gibt (also wenn A passiert, dann passiert auch B), das muss man untersuchen.

In der Praxis fällt das aber leider oft unter den Tisch – man geht hier einfach von einem vermuteten Kausalzusammenhang aus. Wir haben ja auch überhaupt keine Zeit.

Wenn man die abnehmende Zahl von Piraten mit der steigenden globalen Temperatur in Abhängigkeit setzt, oder die Zahl der diagnostizierten Autismusfälle mit dem Konsum von Biolebensmitteln, dann ist das nicht nur hochgradig absurd, sondern zeigt auch die explosive Dimension solcher Vorgehensweisen. Stochastische Ignoranz wird da schnell zu Scheinfakten, die man, hübsch aufbereitet, zu plausibilisieren versucht.

In der Wirtschaft (und auch der Politik) führen missinterpretierte Korrelationen zu Fehlentscheidungen, die viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Doch damit nicht genug. So mancher Entscheider, Influencer oder Lobbyist lehnt sich noch weiter aus dem Fenster und erlaubt sich, sogar die Korrelation nur zu vermuten. Und das passiert verdammt oft:

  • Wenn ich (als Organisation) sichtbar sein will, muss ich Marketing machen. Je mehr Marketing ich mache, desto sichtbarer werde ich.

  • Wenn ich etwas erreichen will, muss ich Zeit und Geld investieren. Ich erreiche umso mehr, je mehr Zeit und Geld ich investiere.

  • Wenn ich produktiv sein will, muss ich schauen, wie lange ich an etwas arbeite. Wer viel arbeitet, ist besonders produktiv.

Klingt alles erst einmal einleuchtend, stimmt aber leider auch alles nicht. Schon gar nicht in dieser Allgemeingültigkeit.

Reichweite korreliert nicht mit Impact.

Ressourceneinsatz nicht mit Outcome,

Und Arbeitszeit nicht mit Produktivität.

Ja, von nix kommt nix. Ich muss irgendetwas machen, um etwas zu erreichen. Ohne jegliches Marketing kennt mich keiner, ohne Arbeit produziere ich nichts. In der Aussagenlogik nennen wir das notwendig.

Möglichst viel „Volumen“ von etwas da hineinzustecken ist aber nicht einmal (aussagenlogisch) hinreichend – und damit nicht die einzige Möglichkeit (wenn überhaupt), zum Ziel zu kommen. Und in aller Regel ist es sogar weder die effektivste noch die effizienteste.

Wenn ich dann den Zusammenhang sogar nur vermute, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar eine Vorgehensweise ohne nennenswerten Effekt – außer vielleicht ein paar KPIs zu pushen, die man dann nach oben reporten kann.

Leider ist das alles so schön griffig ist (die Graphen sehen doch fast gleich aus, Leute!), und deshalb richten viele Organisationen ihr Handeln trotzdem nach diesen Prinzipien aus. Und verbrennen damit Geld, Fachkräfte und unter Umständen auch ihren guten Ruf.

Und das alles nur, weil man keinen Plan von Modellbildung und Stochastik hat. Irgendwie traurig und auch völlig unnötig. Und im KI-Zeitalter, das genau von diesen Fähigkeiten massiv geprägt wird, auch ein Zeichen unzureichender Bildung.

Oder?

Schließen wir heute mit einem kurzen Exkurs: “Was, Hendrik, hat das bitte mit neuem Arbeiten zu tun?” mag man sich jetzt fragen.

Meine Antwort: Alles.

Denn der Sinn neuer Arbeit ergibt sich nur dort, wo klug geplant und gehandelt wird. Beinahe jedes zurzeit kursierende Stück Kritik (warum ist Homeoffice doof, warum ist die 4-Tage-Woche doof, warum ist Culture Fit doof), aber ebenso auch die Entgegnungen darauf, fallen auseinander, wenn man strengere Maßstäbe anlegt.

Und die sollte man anlegen, wenn man als Arbeitnehmer:in, Arbeitgeber:in oder organisationale:r Gestalter:in neue Arbeit etablieren möchte. Alles andere ist, wie ich so gerne sage, Wirtschaftsesoterik. Und damit vielleicht ein netter Zeitvertreib, aber kein strategischer Weg hin zu besserer Arbeit im Sinne aller Beteiligten.

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