KI-Initiativen ohne Biss

KI-Initiativen ohne Biss

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 5. März 2024

KI-Initiativen ohne Biss

KI-Initiativen ohne Biss

Generative KI erscheint momentan als Allheilmittel. Und vielleicht sogar als Trumpf in der Aufholjagd um bessere Digitalisierungsgrade. Und damit natürlich auch als eine Grundvoraussetzung für modernes Arbeiten.

Das ist ein Trugschluss.

Denn KI kann nur dort als Multiplikator dienen, wo man schon digitalisiert hat. „Klassische Digitalisierung“ (die übrigens schon seit Langem deutlich mehr KI enthält als viele Menschen sich überhaupt vorstellen können) ist sowohl Grundlage als auch Sicherheitsnetz für eine erfolgreiche KI-Strategie. Ohne sie verkommt jedes KI-Projekt zur Spielerei.

Das Zahnrad der KI dreht sich eben nicht rund, wenn am antreibenden Zahnrad im digitalen Getriebe einige oder gar alle Zähne fehlen.

Warum ist das so?

Weil KI nur dort greifen kann, wo man Daten, Prozesse, Kommunikation, Sicherheit und Informationsqualität schon im Griff hat.

Ohne Datenkompetenz und sinnvolle Datenstrategie fehlt KI-Modellen der Kontext. Egal, ob man jetzt klassisches MachineLearning betreibt, dass aus den Daten der Vergangenheit sinnvoll Prognosen für Gegenwart und Zukunft herleiten soll. Oder generativeKI zum Einsatz bringen will, der ohne Datenkontext der Bezug zur eigenen Wertschöpfung völlig fehlt. Der KI Einsatz setzt natürlich nicht nur das Vorhandensein von Daten voraus, sondern auch das menschliche Verständnis ihrer Natur, Qualität und ihres Zwecks.

Ohne digitalisierte Prozesse kommt es zu Prozessbrüchen und Fehlern in den Eingabe- und Ausgabedaten von KI-Modellen. Und es fehlt auch oft an der notwendigen Skalierbarkeit. Was nützen mir massenhaft generierte Marketingtexte und Schaubilder, wenn ich kein CRM und vor allem keine digitalen Vertriebsprozesse habe, um die Rückmeldungen sinnvoll zu sortieren, zu bewerten und in echte Leads zu verwandeln? Was nützt mir Predictive Maintenance für meine Maschinen, wenn Ersatzteile trotzdem umständlich manuell bestellt, gekauft und für die Lieferung vorbereitet werden müssen? Falls sie überhaupt auf Lager sind.

Ohne digitalisierte Kommunikation und digitales Wissensmanagement bleibt unklar, was schon erledigt ist und was nicht. Wo Arbeitsergebnisse liegen. Und welche Erfahrungswerte es gibt. Man macht weiterhin unnötige Arbeit und wiederholt dieselben Fehler. Dass man beides dank KI jetzt schneller und öfter erledigen kann, erhöht zwar die Geschäftigkeit, aber trägt nichts Positives zur Wertschöpfung bei.

Ohne digitale Sicherheit bieten KI-Systeme willkommene, neue und weitestgehend von den Einsetzenden unverstandene Einfallstore für Cyberkriminelle. Sei es, weil sie munter sensible Interna ausplaudern, oder weil sie leicht zu Falschaussagen manipuliert werden können.

Und ohne einen Blick auf die Qualität von Information und Informationsflüssen hat man keinerlei Gewissheit darüber, ob Aussagen von KI-Systemen überhaupt richtig, falsch oder einfach nur blödsinnig sind.

KI-Einsatz ist keine Abkürzung, die an verschlampter Digitalisierung vorbeiführt. In solchen Fällen produziert sie nur noch mehr Datenmüll, noch mehr Angriffsfläche und noch mehr Chaos.

Sie ist die nächste Stufe der Digitalisierung – die man nur erreichen kann, wenn die Stufen darunter schon stehen. Und das ist gerade im deutschen Mittelstand ein gewaltiges Problem.

KI wird die digitale Aufholjagd zur globalen Konkurrenz nicht entschleunigen. Sie wird sie, gerade für diejenigen, die immer noch mit ihrer Digitalisierung hadern, im Gegenteil sogar um ein Vielfaches erschweren.

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