Future-Skills brauchen ein Gegenwartsfundament

Future-Skills brauchen ein Gegenwartsfundament

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 21. Mai 2024

Jeder braucht sie, alle meinen, sie zu haben und keiner weiß so wirklich, was sie sind: Future Skills.

Je nachdem, wen man fragt, bekommt man da unterschiedlichste Antworten. Ich empfehle zum Beispiel auf die Kategorisierung von AIComp oder die des Stifterverbands einen Blick zu werfen.

Wir können jedoch gewisse Gemeinsamkeiten in diesen Kompetenzdefinitionen feststellen. Digitalkompetenzen und soziale Kompetenzen, insbesondere die, die die Zusammenarbeit betreffen, spielen für die Zukunft offenbar eine immer stärkere Rolle. Und blicken wir mal hinaus in die weite Welt, dann stellen wir fest: Das stimmt.

Das Problem ist nur, die Zukunft ist jetzt. Und die Kompetenzen, die wir fordern, entstehen nicht einfach so aus sich selbst heraus.

Welche Gegenwartskompetenzen brauchen wir also, um Future Skills zu entwickeln? Und wer muss diese entwickeln?

Letzteres ist leicht zu beantworten: Beinahe alle müssen das tun. Wir sind auf dem Weg in eine Gesellschaft, die sich nicht nur immer stärker digitalisiert und sich (auch mangels Medien- und Digitalkompetenz) leider auch immer weiter entzweit. Wir stehen vor in einem Zeitalter, wo uns die Ausreden und die stichhaltigen Argumente, um Dinge schönzureden, so langsam ausgehen. Die fetten Jahre sind vorbei. Wer gutes Kapital angehäuft hat, kann das noch eine ganze Weile bequem ignorieren. Die anderen 99 % der Menschheit können das nicht.

Wissen, sozialer Umgang, Arbeit und damit auch Politik und Wirtschaft werden sich zwangsläufig diesen, mitunter recht dramatischen, Umbrüchen anpassen müssen. Und das kann nur gelingen, wenn die Menschen diesen Wandel tragen können. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und durch alle Altersgruppen hinweg. Das leisten zu können, das sind die eigentlichen Future Skills.

Ich behaupte nun, damit Future Skills überhaupt eine Chance haben, braucht es fundamentale Gegenwartskompetenzen. Fähigkeiten, die weder neu noch sonderlich schwierig zu erlernen sind. Deren Beherrschung aber Zeit kostet, die heute kaum noch jemand investieren will. Und deren Erlernen es auch erforderlich macht, einige Dinge zu verlernen, denn man hat sich im Industriezeitalter sehr viel Mühe gegeben, in Bildung und Wirtschaft genau diese Kompetenzen nicht zu fördern. Ich meine Fähigkeiten, die man zwingend beherrschen muss, damit die Zusammenarbeit funktioniert. Damit man als Gemeinschaft handlungsfähig bleibt und den technologischen Fortschritt auch sinnvoll nutzt. Oft werden diese Kompetenzen gerne in den Kompetenzrahmen der Future Skills mit hinein gerechnet. Ich halte von dieser Vermischung nichts. Man wirft damit relativ beständige fundamentale Kompetenzen mit ziemlich flüchtigen Fähigkeiten durcheinander.

Ja, wir brauchen KI-Kompetenz. Die kann es aber nur mit Datenkompetenz geben. Und die kann es nur mit grundlegender Logik- und Mathematikkompetenz geben. Sich darauf einzulassen braucht Forscherdrang und ein Grundverständnis der wissenschaftlichen Methodik. Und wir brauchen Innovationskraft. Dazu braucht es Kreativkompetenzen. Die es nur geben kann, wenn man lernt, kreatives Handeln zu lenken, ohne es zu beschränken. Und das braucht vielleicht einen deutlich spielerischen Zugang zu vielen Dingen, als er den meisten Menschen heutzutage zu eigen ist. Wir benötigen die Fähigkeit, Komplexität zu verstehen. Das beinhaltet systemtheoretisches Denken, Komplexitätsbewusstsein und einen (in keinster Weise esoterisch zu betrachtenden) holistischen Blick. Echtes Interesse und überbordende Neugier. Wir müssen stärker lernen, Dinge gemeinsam anzugehen. Zusammenarbeit muss sich wieder lohnen! Dazu gehört nicht nur eine Menge Respekt und Toleranz, sondern auch die Fähigkeit klar, effektiv und auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Und wie man an dieser Aufstellung schon sehen kann, ist auch die Trennung dieser Bereiche eigentlich höchst willkürlich. Der totale Durchblick nützt nichts, wenn ich meine Erkenntnisse nicht kommunizieren kann. Kreativität bringt nichts, wenn ich sie nicht wertschätze. Zusammenarbeit ist sinnlos, wenn doch wieder nur einer allein entscheidet.

Fehlt das Fundament, dann sind alle Future Skills nur kurzlebige (weil schnell überflüssige) antrainierte Verhaltensweisen. Sich auf die gerade spannenden konkreten Anwendungen zu konzentrieren, ohne ein echtes Verständnis für die grundlegenden Zusammenhänge zu haben, das kann überhaupt nicht nachhaltig sein. Solche Entwicklungen kommen immer zu spät. Denn das, was heute vielleicht wichtig erscheint, ist morgen schon überflüssig.

Fangen wir doch lieber unten an. Ganz grundlegend. Mit Neugierde, Spieltrieb, Respekt, der Fähigkeit zuzuhören, dem tollen Gefühl, gemeinsam Dinge zu schaffen. Das ist ein Fundament, auf dem man nachhaltig aufbauen kann. In dem alle Menschen ihren Platz finden können. Und vor allem ist das etwas, das jetzt, im kleinen, sofort stattfinden kann. Wenn man denn nur will.

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