Endlich mehr Zeit!

Endlich mehr Zeit!

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 28. Mai 2024

Durch Digitalisierung und erst recht durch KI wird ja angeblich alles viel effizienter. Ist das nicht toll?

Na sicher!

Aber was machst du eigentlich mit der ganzen gewonnenen Zeit? Weißt du vielleicht gar nicht, was du mit all der gewonnenen Zeit anfangen sollst? Hast du dann wirklich Zeit gewonnen? Und wenn du sie gewinnst, verliert sie dann jemand anderes?

Wenn du hier schon länger mitliest, dann weißt du, dass ich oft bei der Wortwahl sehr, sehr pingelig bin. Effektiv und effizient, das sind zwei Begriffe, die leider nicht nur viel zu oft verwendet werden, sondern die leider auch von viel zu vielen Menschen als synonym verwendet werden; obwohl sie genau das nicht sind.

#Effizienz, das hat immer etwas mit der Schonung von Ressourcen zu tun. Also, wenn man es richtig macht. Effiziente Prozesse sparen Zeit und Energie. Vielleicht sogar Geld.

Mit etwas Pech sparen sie auch andere Dinge ein, die sie besser nicht eingespart hätten: Zufriedenheit, Gelassenheit, Gesundheit. Alles Dinge, die direkt oder indirekt auch mit der Zeitersparnis effizienter Prozesse zusammen hängen.

Die Ressourcen, die eine Organisation an einer Stelle einspart, die nimmt sie oft anderen weg. Kunden, die in Warteschleifen und nervigen Chatbots versauern, stiehlt sie mit diesen ach so effizienten Prozessen die Zeit. Mitarbeitern, insbesondere denen, die dort arbeiten müssen, wo Prozessübergaben oder Prozessbrüche stattfinden, stiehlt sie die Zeit zum Luftholen und Verschnaufen. Und mit Massen an KI-generierten Werbeinhalten und Spam stiehlt so manche Organisation vielen Menschen nicht nur die Bandbreite, sondern auch den letzten Nerv.

Und wenn es sogar richtig absurd werden soll, ja, dann machen wir einfach die Prozesse effizienter, die eh schon völlig sinnbefreit sind. Viel mehr Blödsinn produzieren mit viel weniger Ressourceneinsatz. Das ist trotzdem pure Effizienz. Pur deshalb, weil ihr das steuernde Element der #Effektivität, also das Richtige zu tun, fehlt.

Selbst im einfachsten Falle, wenn wir linear und ökonomisch denken, dann müssen wir uns schon auf beide Dimensionen einlassen, um Effizienz und Effektivität zusammen bringen. Effizient zu sein ohne effektiv zu sein. Das ist Beschäftigungstherapie für Menschen mit Leerlauf im Gehirn. Das ist genauso absurd wie besonders effektiv zu sein, dabei aber überhaupt nicht effizient. Denn das wiederum ist, egal ob auf individueller oder organisationeller Ebene, ein Garant für eine Ressourcenüberlastung und damit einen Burn-Out.

Effizienz macht Effektivität überhaupt durchführbar. Effektivität gibt Effizienz ein Ziel. Beides gleichwertig zu behandeln, das ist eine notwendige Grundvoraussetzung für Beständigkeit und Nachhaltigkeit.

Wohlgemerkt eine Grundvoraussetzung, aber kein Garant. Denn bloß linear und ökonomisch zu denken, das steht Nachhaltigkeit ebenso im Weg.

Effizienz richtig auszutarieren, das erfordert systemisches, nicht lineares Denken. Sonst werden zentrale Ressourcen früher oder später ausgebeutet.

Dabei über den Tellerrand zu schauen und nicht nur die eigenen Interessen im Blick zu haben, das erzwingt geradezu, den ökonomischen Blickwinkel durch eine holistische Perspektive zu ersetzen - ein Beispiel dafür wäre das Konzept der Gemeinwohlökonomie. Man lenkt die Effektivität dorthin, wo sie am meisten Impact hat.

Effizienzsteigerungen sind ohne Kontext und ohne Ziele nutzlos. Oft sogar schädlich. Was tust du, damit gesteigerte Effizienz nicht nur heiße Luft produziert?

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