JOMO!

JOMO!

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 13. August 2024

Geht alles irgendwie wahnsinnig schnell oder? Nun ist es aber auch echt warm gerade, und da kann man diesen ganzen Stress eigentlich gar nicht gebrauchen.

Machen tun wir ihn uns trotzdem. Social Media liefert uns endlose Streams zum durchscrollen, die Streamingliste wird immer länger und selbst der Bücherstapel, der im Urlaub ja schrumpfen sollte, wird immer höher. In die Mails schauen wir besser gar nicht.

Alles muss mit. Bloß nix verpassen. Fear of missing out (#FOMO) ist angesagt.

Ich finde, es ist Zeit für eine Gegenbewegung. Ich propagiere #JOMO - The Joy of missing out. Und das nicht nur, weil das viel entspannter ist.

Denn:

Wer alles mitnehmen will, der verpasst was. So absurd das auch klingt.

Wir sind nicht wirklich dafür gebaut, eine Unmenge an Information zu bearbeiten. Unser wunderschönes Steinzeitgehirn nimmt viele Dinge an, aber am liebsten ist es faul und damit auf Autopilot. Wenn wir Dinge bewusst verarbeiten wollen, dann kostet das Mühe, erfordert Konzentration und Zeit. Im Insta- oder Tiktok-Scrollmodus kann man da nix reißen. Shallow Processing, Cognitive Bias, Illusory truth effect. Das fällt uns alles ganz schnell auf die Füße.

Das ist okay bei lustigen Katzen- und Failvideos, und erst recht bei Katzenfails, aber hier und da gibt es auch wichtige Informationen in unserem Leben. Es muss ja nicht immer die Finanzpost sein. Aber vielleicht ein wirklich spannender Artikel, ein toller TED-Talk, ein Konzept, dass du für dein nächstes Projekt verstehen musst. Und natürlich Information über das Geschehen in der Welt.

Wer das an sich vorbeiziehen lässt, versteht Dinge im besten Falle falsch und baut damit vielleicht Murks. Gerade, wenn es um politische Information oder einfach nur um die Steuerung des eigenen Konsums geht, gerät man aber auch immer häufiger in die Bedrouille. Dunkle Rheotrik und manipulative Psychologie sind da an der Tagesordnung. Und die lassen sich heutzutage, dank KI, auch noch mit scheinbaren Belegen in Text, Bild, Ton und Video untermauern, was die ganze Sache keinen Deut besser macht.

Wirklich, ich mach das ja fast täglich, aber auch ich muss schon einige Minuten auf ein Bild oder Video schauen, um Hinweise auf den Einsatz generativer KI zu entdecken. Bei Tonaufnahmen fällt mir das noch schwerer – wenn die nicht gerade in glasklarem Hochdeutsch daher kommen oder ich reichlich Kontextinfo habe, habe ich da keine Chance. Und ohne Konzentration - naja, dann erst recht nicht.

Dinge zu verstehen, Intentionen und Situationen zu begreifen erfordert aktives Nachdenken.

Gebt euch die Zeit dafür. Filtert vor. Spart euch das Doomscrolling und die tausend Newsletter die ihr eh nie lest (den hier lest ihr ja gerade, den behaltet ihr bitte 😉). Mal ehrlich, dass was wirklich wichtig ist, seht ihr eh mehrfach. Und das, was wirklich cool ist, schicken euch eure Freunde sowieso.

Für den Berufsalltag gilt das ebenso. Erst recht, wenn ihr Führungskräfte seid oder werden wollt. Hortet nicht alles sinnfrei, lasst die unwichtigen Meetings aus, und spart euch, und sei es nur um des Friedens willen, den Büroklatsch und die Abteilungs-Whatsapp-Gruppen.

Und wenn ihr dann etwas durchdrungen habt, seid stolz darauf. Und macht’s wie die Katze und gönnt euch ein paar Minuten Ruhe (aber bitte nur auf der Fensterbank, wenn die auch breit genug für euch ist), damit sich alles setzen kann.

Ich geh jetzt in den JOMO Modus und lese meinen ausgewählten Artikel des Tages: KI ist, kognitiv gesehen, immer noch doof. Und das ändert sich auch nicht mal eben so. Beruhigend, oder? Da kann man es sich doch auch mal erlauben, was zu verpassen.

Also: JOMO, weil YOLO. Oder so… 😄

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