Lösungen, nicht Technik lösen Probleme
Für die eiligen fasse ich mich heute sehr kurz.
tl;dr:
Technologie löst niemals organisatorische Probleme.
Da, bitte. Mic drop.
„Ja, aber?“ - Klar, wir können das auch etwas genauer ausführen. Im KI-Zeitalter wird schnell einmal die Lösung für alles propagiert. Darin sind Marketingabteilungen sehr gut. Kein Wunder, denn das konnten wir jahrzehnte-, nein jahrhundertelang mit früheren Kulturtechniken wie Computer, Motor, Dampfmaschine und Buchdruck schon üben.
Das Problem dabei ist nur: Viele Unternehmen sind nicht fit genug für KI. Sie sind noch nicht einmal fit genug für Digitalisierung. Und oft genug sind die Gründe, weshalb sie nicht fit genug sind, ausgerechnet die Probleme, die sie versuchen, über den Einsatz von Technologie zu lösen.
Unsere Datenablage ist ein totales Chaos? Richtig wäre hier mal aufzuräumen, aber: Lösen wir, mit Retrieval Augemented Generation.
Unsere Prozesse sind zu kompliziert? Richtig wäre eine Optimierung und Vereinfachung der Prozesse, aber: Kein Problem, Robotic Process Augmentation.
Wir wissen gar nicht, was wir machen? Richtig wäre ehrliches Interesse und gute Kommunikation, aber: Business intelligence reporting.
Für jedes Problem gibt es ein Buzzword, eine praktische 3-Buchstaben-Lösung, die es scheinbar aus der Welt schafft. Was sie, seien wir ehrlich, nicht tut. Die Lösung lässt uns nur besser die Ursachen ignorieren, weil sie die stärksten sichtbaren Symptome beseitigt.
Damit ist aber niemandem geholfen, im Gegenteil:
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Organisatorische Strukturen bleiben sperrig und unflexibel.
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Transparente und ehrliche Kommunikation findet nicht statt.
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Das Wissen ausscheidender Mitarbeiter:innen geht immer noch verloren oder wird nicht verstanden.
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Prozesse verkommen zum Cargo Cult
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Effektivität bleibt auf zugunsten blinder Effizienzsteigerungen auf der Strecke
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Fachkräfte fehlen weiterhin
Diese Probleme kann Technologie allein nicht lösen. Sie kann ein mächtiges Werkzeug zur Umsetzung von Lösungen sein. Dafür müssen die Lösungen aber erst einmal erdacht werden. Und sie müssen auch gewollt und verstanden sein. Ohne Änderung im Kopf kommt es nicht zu einer Änderung in der Organisation. Und ebenso wie die Herausforderung und die Lösung wollen auch die Werkzeuge für die Lösung verstanden sein, bevor man sie wirklich effektiv zum Einsatz bringen kann. Wer Digitalisierung nicht versteht, wird sie niemals richtig zur Anwendung bringen.
Es gibt keine Abkürzung! Es gibt keine technische Lösung, die menschlichen Unwillen oder gar menschliches Versagen negiert. Es gibt keine technische Lösung, die Komplexität verringert. Maximal eine, die Komplexität verbirgt. Und selbst dann sollte ich tunlichst wissen, was ich nicht (mehr) weiß.
Technologien sollten dort zum Einsatz kommen, wo wir unsere organisatorischen Probleme schon gelöst haben. Dort können sie stabilisieren, automatisieren und für Freiräume sorgen, die wir für bessere Arbeits- und Lebensqualität und echte Transformations- und Innovationskraft nutzen können. Nur so können Mehrwerte entstehen.
Ansonsten verkümmert sie zum Feigenblatt für das eigene mangelnde Problemverständnis.
Und damit wird sie im schlimmsten Fall auch rasch zum Aushängeschild für Partner und Talente:
Bleib besser weg, die haben’s nicht verstanden und du wirst hier nichts bewegen können.
PS: Was für Technologie gilt, gilt ebenso für Methodik. Keine Methodik, egal wie toll sie einem erst einmal erscheinen mag, ist in der Lage, strukturelle, prozessorientierte oder gar zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Gute Methodiken, richtig angewandt, zeigen diese Probleme überdeutlich auf. Damit man sie lösen kann. Dadurch verschwinden sie aber nicht. Das passiert nur durch echte Veränderung auf organisatorischer Ebene.
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