Präventive Maßnahmen
Der Ton in der deutschen Arbeitswelt wird härter. Vielleicht liegt es an der Bundestagswahl (die an der Wirtschaftskrise kurzfristig nichts ändern wird, egal wer gewinnt). Vielleicht haben sich auch ein paar alte weiße Männer, wie man das heute so schön sagt, dazu entschlossen, eine Gegenbewegung zu NewWork zu initiieren.
Man kann ja mal Dampf ablassen. Und die Meinung sagen.
Ändern an Innovationsstau und Fachkräftemangel wird das natürlich nix. Aber man war ja nicht tatenlos. Man hat ja gemeckert. Und selbst wenn wir nicht mehr Exportweltmeister sind – Meckerweltmeister bleiben wir bestimmt noch eine ganze Weile.
Ein konkretes Beispiel wäre der Krankenstand, der angeblich ja so hoch ist. So hoch, dass man einen Pfeiler der deutschen Arbeitswelt auf den Kopf stellen möchte – Lohnfortzahlung im Krankheitsfall am ersten Tag. Und zwar, weil an dem ja eigentlich immer Blau gemacht wird. Denn deutsche Arbeitnehmer sind ja faul.
Lassen wir mal beiseite, dass man vielleicht kein Intelligenzbolzen sein muss, um dann im Zweifelsfall halt einfach zwei oder drei Tage blau zu machen – was dem Betrieb wohl noch mehr schaden würde.
Das Grundproblem ist wohl eher das Misstrauen. Ja, man könnte schon fast sagen, das ist ja total krank! Und das ist eigentlich auch der Punkt. Wenn der Krankenstand hoch ist, dann ist es eigentlich egal, ob die Leute krankfeiern oder krank feiern. Irrelevant. Viel wichtiger ist wohl der Zusammenhang, dass das Unternehmen, für das sie arbeiten, krank ist. Und ein hoher Krankenstand ist damit erst einmal eins – ein Symptom.
Wie könnte so eine Unternehmenskrankheit aussehen? Nun, beginnen wir mal mit dem offensichtlichen: wer seinen Mitarbeitern unterstellt, eher blau zu machen als krank zu sein, hat schon einmal ein Vertrauensproblem. Als Führungskraft wäre ich ja eigentlich in der Pflicht, der Sache (im Rahmen des Rechts natürlich!) auf den Grund zu gehen. Also die unangenehme Frage zu stellen: Welche Gründe gibt es der Arbeit fernzubleiben? Unangenehm ist diese Frage vor allem deshalb, weil die Antwort sehr oft Ich ist.
Klar, Minderleistung und vielleicht sogar Verletzung der Treuepflicht, aus freien Stücken, das kann vorkommen. Aber wer hat dann seinen Job als Erstes nicht gemacht? Das kann man da schon fragen. Hmm, der Vorgesetzte? Ja, könnte sein. Vielleicht geht es aber wirklich auch um Krankheit. Die ist, selbst bei Bürojobs, oft arbeitsinduziert: Stress, Depressionen oder gerne auch Rückenschmerzen. Da fällt man dann halt von Zeit zu Zeit aus. Oder wenn es chronisch wird, bis zum offenen Magengeschwür oder zum Burn Out geht, dann auch mal länger. Das kostet.
Weil niemand präventiv gehandelt hat. Und das, obwohl das Arbeitsschutzgesetz das vom Arbeitgeber einfordert. Ja, auch für psychische Belastungen (seit 2013 oder so, glaube ich). Wer hat zu verantworten. Hmm, wieder Führungskräfte?
Na, denen können wir doch nicht alles anlasten? Die sind ja eh schon immer schuld! Na ja, oder auch nicht. Denn auch der Teamleiter oder die Abteilungsleiterin sind ja erst einmal angestellt und haben eine vorgesetzte Person über sich. Die das Fehlverhalten ihrer Führungskräfte entweder duldet, oder, gar nicht mal so selten, auch fordert. Fisch, Kopf, Gestank … Sie kennen das.
Auch das ist irgendwie krank. Und wenn man nicht irgendwann pleitegehen möchte, vielleicht auch strategisch nicht sehr klug.
Gegen krank sein helfen natürlich Pillen. Allerdings muss die Person an der Spitze diese Pillen schlucken, damit sie wirken. Und diese Pillen sind sehr, sehr bitter. Und bunt. Greifen wir uns mal eine Sorte heraus. Und schauen, was draufsteht: Verantwortung.
Ja, Verantwortung. Die muss man übernehmen für das, was im eigenen Laden passiert. Denn nochmal, wenn etwas schiefläuft und sich jemand daneben benimmt, dann duldet man Fehlverhalten oder man fordert es ein. Beides kann man sich nicht erlauben. Und wenn man sich das nicht mehr erlaubt, dann wirkt das Wunder auf das Unternehmensklima. Von der obersten Hierarchieebene bis zur untersten. Und wenn dann nicht gerade mal wieder eine Pandemie um die Ecke kommt, dann geht auch auf wundersame Weise der Krankenstand runter. Was aber, um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, auch nur ein Symptom ist.
Könnte man so machen. Aber leichter ist es natürlich, Veränderungen von Schwächeren zu fordern, anstatt selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Das ist immer leicht. Man sollte sich als Mensch nur fragen, ob es auch richtig ist.
Na ja, eigentlich ist die ganze Betrachtung auch müßig. Und eigentlich viel zu negativ. So viel Aufmerksamkeit hat das Thema nämlich nicht verdient; deshalb schreibe ich es auch in die Welt hinaus, damit es mir nicht mehr im Kopf herumspukt.
Denn, mal ehrlich, wer auf Basis einer Krankenstandstatistik argumentiert, ohne Kontext und Erhebungsparameter zu kennen, ja die sogar zu ignorieren, macht sich vielleicht wichtig – ist es aber nicht. Eigentlich ist das ganze nur ja auch nur ein Aufguss der ebenso unsinnig geführten Wochenarbeitszeitdiskussion. Statistisch unhaltbar, aber populistisch wunderbar zu verwursten.
Dabei gibt es wohl Wichtigeres.
So ein Helm mit Blaulicht zum Beispiel – den könnte ich als Berater echt gut gebrauchen.
Gerade für solche Situationen.
Das wär doch was.
Sie möchten mehr zu diesem Thema wissen?
Kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches Gespräch. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die passende Lösung für Ihre Herausforderungen zu entwickeln.
Jetzt Kontakt aufnehmen