Vibe Management

Vibe Management

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 25. März 2025

Kennst du Vibe Coding? Das ist der coole neue Trend, dank dessen niemand mehr Software schreiben muss. Man promptet einfach für KI und KI-Agenten, was man gerne haben möchte, und das nächste digitale Geschäftsmodell steht quasi sofort in den Startlöchern. Ohne größeren Aufwand und natürlich auch ohne nennenswerte Vorkenntnisse.

Funktioniert das, fragst du dich vielleicht? Nö. Es ist zwar erstaunlich, was man heutzutage alles dank moderner KI-Tools als Entwickler:in an Erleichterung auf den Tisch bekommt, aber die Ergebnisse sind dann doch mit Vorsicht zu genießen. Es schleichen sich immer wieder subtile Fehler ein, sobald die Software größer wird, beginnen auch die einzelnen Puzzleteile nicht mehr zusammen zupassen. Nachträgliche Änderungen führen zu Wiederholungen und der resultierende Code wird dann irgendwann so komplex und verworren, dass man ihn kaum noch versteht. Das AI-Helferlein übrigens am allerwenigsten. Und von solchen lustigen Dingen wie Datenschutz und Informationssicherheit fangen wir besser gar nicht erst an (da sind KIs übrigens gar nicht so schlecht drin, aber dafür müsste man ihnen echte Aufmerksamkeit schenken – fällt leider oft unter den Tisch).

KI-unterstützte Softwareentwicklung ist wirklich was Tolles. Vibe Coding, vor allem von nur bedingt mit den Technologien vertrauten Experten betrieben, ist eher so eine Art Zeichen unserer Zeit. Viel Output, wenig Qualität, und möglichst das eigene Gehirn nicht bemühen. Mit der Aufmerksamkeit ist man eh schon wieder woanders, und sei es beim nächsten LinkedIn-Post, in dem man seine geilen Erfolge und seine neue Software feiert. Die eigene kognitive Leistung ist dabei oft eher gering. Alles bleibt oberflächlich. Und das ist ein Problem.

Und das nicht nur hier, Vibe-Aktivitäten finden wir mittlerweile, dank immer stärkerer KI-Durchdringung, eigentlich überall. Beginnend mit Schulaufgaben über lästige Text- und Medienarbeiten bis hin zur Vertragsgestaltung oder einem kompletten wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Ja, bis ins Management. Vibe Management. Vibe Manager nehmen keine Rücksicht auf Verluste, denken Entscheidungen nicht durch, verkaufen mehr Schein als Sein. Und geben sich dabei noch nicht mal sonderlich viel Mühe. Das ist natürlich nichts Neues, aber das ist etwas, was sich dank KI heutzutage wunderbar als effektiv, professionell und produktiv tarnen lässt. Vibe Management ist „nach uns die Sintflut“, das ist Müll auf die Straße schmeißen, den wird schon jemand wegkehren. Und das ist ein radikales daran arbeiten, dass man in Bezug auf seine Gehirnleistung irgendwie auch verkümmert.

Die Älteren kennen das vielleicht noch. In einer Zeit ohne Maps und Navigation musste man sich Wege merken und Karten lesen können. Man kam dann auch mal zu spät an. Aber man kam an. Und das einzige, was da Strom verbrauchte, war das Auto und sein Radio. Sich orientieren zu können, das haben viele Menschen heutzutage verlernt. Es soll Leute geben, die sich schon im Stadtpark verlaufen (und das ist echt schlimm, denn da kann dich kein Uber direkt an deinem Standort abholen, wenn’s mal hart auf hart kommt). Tja, und das passiert jetzt wahrscheinlich auch mit ganz vielen anderen Fähigkeiten, die wir gerne der KI überlassen: Texten, längere Texte lesen, kritisch analysieren, logisch denken, Fakten recherchieren und prüfen. Ja, vor allem zu erkennen, wenn dir die KI einfach mal Mist erzählt. Von deiner Aufmerksamkeitsspanne, deinem Sinn für Sorgfalt und deiner Empathie mal ganz zu schweigen. Da kannst du noch so viele Achtsamkeitstrainings machen; wenn du verlernst, dein Gehirn und deine Wahrnehmung im Alltag zu nutzen, dann bringt dir das auch nix.

Schau nach links und rechts. Nimm wahr, was um dich herum geschieht. Stell Fragen. Gib Antworten. Lerne. Verstehe und begreife. Nutz deinen Kopf. Bleib fit im Gehirn. Und sei dir bewusst, dass du keine Insel bist. Das alles ist wertvoll. Und für das alles bietet dir ‘ne KI auch keinen adäquaten Ersatz an.

Schenk dem Vibe in deinem Leben nicht zu viel Platz. Werd kein Vibe Engineer, oder Vibe Coder, oder Vibe Scientist. Und wenn du für echte Menschen verantwortlich bist, dann werde bitte kein Vibe Manager.

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