Kein Grund wütend zu werden …

Kein Grund wütend zu werden …

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 2. April 2025

… nur, weil gerade mal was nicht läuft, Chef:in.

Wobei mir das gar nicht mal so das Hauptproblem zu sein scheint. Klar, wer als Führungskraft ständig wütend rüberkommt, der bekommt sein Fett weg. Gerade in den sozialen Medien. Vorgesetzte sind ja (manchmal sogar aus gutem Grund) Ursache von Frust und Ziel verbaler Attacken.

Das kennen wir aber alles schon. Alter Hut. Heutzutage wollen wir sowas aber trotzdem nicht mehr sehen.


Also verstecken wir’s. Das ist besser fürs Betriebsklima. Eigentlich wollen wir überhaupt kein Konfliktpotenzial irgendwo auf der Arbeit sehen. Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema.

Klar, Choleriker braucht niemand, aber Leute, die alles totschweigen, die brauchen wir tatsächlich genauso wenig. Egal, aus welchen Gründen das passiert. Sei es, um nicht die Verantwortung übernehmen zu müssen. Oder zur Verantwortung gezogen zu werden. Sei es, um bestimmten Menschen nicht auf die Füße zu treten. Oder einfach um des lieben Frieden willens.

Mach doch.

Nur: Besser wird’s dadurch nicht. Wenn Dinge unrund laufen, dann muss man das benennen dürfen. Sonst wird es nämlich nicht besser. Und wenn es nicht besser wird, dann wird das Getuschel hinter vorgehaltener Hand einfach immer lauter. Moment, wird dadurch sogar alles schlechter? Ja. Konflikte und Probleme totzuschweigen schafft einfach mehr Konflikte und Probleme. Schade, dass das für Ottonormalverbraucher nur mit Konflikten und nicht mit Geld so einfach funktioniert.

Wenn es Probleme gibt, dann löst man die nicht dadurch, dass man sie positivistisch zu Herausforderungen umdeklariert. Wenn jemand Mist baut, dann ignoriert man das nicht weg. Denn damit zieht man im besten Fall nur den Zorn derjenigen auf sich, die diesen Mist dann wegräumen dürfen (und erfahrungsgemäß dies dann nicht zum letzten Mal tun). Wenn sich Veränderungen anbahnen, dann ist „wir müssen alle mitnehmen“ kein großer Motivator, sondern eine Blockadehaltung.

Man muss ja nicht immer gleich ausflippen, Respekt ist und bleibt eine Tugend. Und kein Mensch ist eine Insel.

Aber man muss Dinge benennen dürfen, ohne gleich ausgestoßen zu werden. Und damit meine ich jetzt nicht dieses dämlackige unterschwellige beleidigen und herabwürdigen anderer, was in gewissen Kreisen, die ja angeblich nichts mehr sagen dürfen, so weit verbreitet ist.

Sondern das offene Ansprechen von Problemen. Das Hinweisen auf Fehler. Das Präsentieren einer zweiten Vorgehensweise oder zumindest einer weiteren Meinung.

Das gehört übrigens dazu, wenn man von Werten wie Ehrlichkeit oder Praktiken wie Transparenz spricht.

Was für die Newworkies tatsächlich besonders schlimm ist: Ohne diese Offenheit kann neue Arbeit einpacken. Und alles andere, was da dran hängt, bleibt fade. Und übrigens auch weitestgehend nutzlos.

Neue Arbeit braucht auch Konfrontation und Konflikt. Aus reinem Kuschelweich-Kurs wächst selten etwas Beständiges. Und schon gar nicht etwas Innovatives. Man darf auch mal Streiten. Man kann das sogar lernen. Dafür muss man es aber üben.

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