Wer’s schuld?
Deloitte verschickt unzureichend geprüfte halluzinierte Analysen und ein österreichisches Start-up gewährt einen Blick in den Abgrund (nicht nur für sich selbst, sondern auch für die weitestgehend ebenso naiv handelnden Kunden des Unternehmens), der sich auftut, wenn man Sicherheit und Datenschutz in der Werbebroschüre glänzen lässt, aber in der Praxis ignoriert.
Das sind jetzt Beispiele, die irgendwie mit KI zu tun haben. Aber eigentlich geht es mir nicht um KI. Mir geht es um Verantwortung. Und ich persönlich finde es großartig, dass KI uns so tapfer dabei hilft, die Stellen zu offenbaren, an denen diese so überhaupt nicht vorhanden ist. Transparenz für mangelnde Führungskompetenz durch mangelnde KI-Kompetenz sozusagen.
So ein bisschen greife ich da auch noch einmal das Thema der vorherigen Woche auf. Führung, das bedeutet Verantwortung. Wenn die fehlt, dann schlägt nicht nur Agilität fehl.
Ich gehe sogar so weit zu sagen: Wer verantwortungslos führt, der führt maximal in die Irre, um von seiner eigenen Verantwortungslosigkeit abzulenken.
Das ging übrigens jahrzehntelang gut, es gab immer genügend Dinge, hinter denen man sich verstecken konnte. Vorschriften, Untergebene oder auch die bei manchen Politikern dann so plötzlich einsetzende Vergesslichkeit. Jetzt, im Datenzeitalter, wo alles vernetzt wird, wo KI mit dazu kommt, haben wir aber plötzlich Werkzeuge, die wirken wie Suchscheinwerfer. Mehr noch, plötzlich bauen wir uns digitale Assistenten (viele nennen die sogar schon KI-Mitarbeiter, yikes), und die können überhaupt keine Verantwortung übernehmen. Das heißt, wir können selbige auch nicht auf sie abwälzen. Das, was da schiefläuft, liegt in der Verantwortung derjenigen, die diese Helferlein an den Start bringen. Und da redet man sich dann auch nicht mehr raus. Wie auch? Ist ja keiner da, der den Sündenbock spielt. Die kalte Maschine kann natürlich behaupten, schuld zu sein („Sorry, dass ich eure Produktionsdatenbank gelöscht habe“ – die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch …), aber das Gebrabbel eines LLMs zeugt nicht von Verantwortung oder Schuldgefühl.
Wenn im KI-Zeitalter alle zu Leadern werden, dann müssen auch alle Verantwortung übernehmen. Das mag dann nicht jedem schmecken. Erst recht, wenn man damit anfängt, Menschen, denen man sonst gerne die Schuld gegeben hat, durch KI zu ersetzen. Ja, das wird `ne harte Zeit für Fehlentscheider und Geldverbrenner.
Am Montag konnte ich einigen Menschen schöne Einblicke geben, was KI so im Recruiting alles kann. Also, auch und insbesondere so alles anrichten kann. Personaler:innen, die solche Systeme anschaffen, sind dann dafür in der Verantwortung, wenn KI falsche Entscheidungen trifft (erst recht in so einem sensiblen Bereich, wo sie das überhaupt nicht darf). Sie sind auch dafür verantwortlich, wenn die KI nur Grützausschreibungen ins Netz stellt und niemand sich mehr bewerben möchte.
Und das gilt nicht nur da so, das gilt auch für Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung, IT. Wer Dinge zum Einsatz bringt, ist für die Konsequenzen verantwortlich. Sicherheitsversprechen der Hersteller einfach glauben? Das reicht nicht. KI-Antworten einfach ungeprüft weiter nutzen? Erst recht nicht. Jeden Monat 5000 € auf irgendein Konto überweisen? Okay, spätestens da merkt man vielleicht – ist gar nicht so schlecht, wenn jemand mal Verantwortung übernimmt.
Da hört es auch nicht auf. Wer dann, ein, zwei Etagen höher sitzend, duldet, dass in der eigenen Organisation zum Beispiel plötzlich ein Zoo von KI-Tools existiert, die niemand so richtig verantwortungsbewusst einsetzt (sonst wäre ein Großteil davon nämlich gar nicht erst angeschafft worden), der entzieht sich auch seiner Verantwortung. Und das ist (im wahrsten Sinne des Wortes) eine Fahrlässigkeit, die einem dann so richtig auf die Füße fallen kann.
Gestern habe ich einen Workshop zum Thema KI-Strategie gegeben. Auch da ging es vor allem um Verantwortung. Darum, ehrlich zu erkennen, wo man steht, damit man nicht Dinge versucht, die man überhaupt nicht packen kann und die einem ganz schnell über den Kopf wachsen. Weil man keine sauberen Daten hat, weil die eigenen Leute nicht die notwendigen Kompetenzen haben oder weil man nicht mal versteht, was das Problem ist, bevor man im Lösungszoo auf Einkaufstour geht.
Viele Menschen wollen nicht für Dinge verantwortlich sein. Das ist okay. Aber solche Menschen gehören dann nicht auf Entscheidungspositionen. Klar, wir wollen eine gute Fehlerkultur, wir müssen uns irren dürfen. Fehlerkultur ergibt aber nur dort Sinn, wo man auch aus Fehlern lernt. Und das beginnt damit, Verantwortung zu übernehmen. Für die eigenen Entscheidungen, für die Ressourcen, die einem anvertraut werden, und vor allem für die Menschen, die sich einem anvertrauen. Egal ob das nun Mitarbeitende, Vorgesetzte, Schutzbefohlene oder Kunden sind. Und letztendlich auch für dich selbst. Für deine Arbeit, für deine Kompetenzen, für deine Entscheidungen.
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