Laaangweilig!
Niemand würde sich hier etwas durchlesen, wenn’s langweilig wäre, oder? Das wäre totale Zeitverschwendung. Machen wir uns da nichts vor, langweilig ist doof. Zumindest wenn’s um Content geht.
Warum das Gehirn aus seiner entspannten Grundhaltung reißen, wenn’s nicht interessant ist?
Genau, dafür gibt es keinen guten Grund. Langweilen kann ich mich auch selber, brauche ich keinen Content für.
Aber lustigerweise brauchen wir Langeweile. Also nicht nur persönlich, damit das arme dauerbeschaltte Gehirn mal runterschalten kann.
Sondern auch im Business. Langeweile ist gut für’s Business. Langeweile ist da oft das beste, was uns passieren kann.
Nicht immer natürlich. Vortrag vor Publikum halten – besser nicht langweilig. Pitch vor Investoren – bloß nicht langweilig, bitte! Die Firmen-Weihnachtsfeier? Die sollte auch nicht langweilig sein. Ist sie aber leider meistens.
Routinen sollten aber langweilig sein. Wenn alles fein nach Plan läuft, dann ist langweilig das beste, was einem passieren kann. Nicht langweilig in einem Routineprozess? Das heißt meistens, das was schief läuft. Nicht langweilige Routinen sind Warnsignale. Langeweile heißt, alles ist in Ordnung. Langeweile ist Sicherheit.
Für Langeweile ist aber kein Platz, wenn jemand ständig an den Hebeln spielt und auf Knöpfe drückt. Dann gehen nämlich Dinge schief. Da, wo Langeweile das Maß der Dinge ist, sollte die Arbeit nicht künstlich kreativ-spannend gemacht werden. Dann passieren Fehler. Dann gehen Dinge kaputt. Dann werden Leute verunsichert.
Die beste Automatisierung für einen Routineprozess ist auch selbst langweilig. Etablierte Technik, verlässliche Algorithmen. Keine Experimente, bitte. Einfach das Problem lösen. Das braucht nicht immer die neuesten geilen Softwareversionen. Und das braucht erst recht keine KI (was immer KI in dem Fall auch ist). Das braucht Lösungen, die einfach immer weiter laufen, egal was um sie rum passiert. Und die sich beschweren, wenn’s plötzlich mal nicht langweilig ist. Damit ich weiß, dass ich handeln muss. Etwas entscheiden muss. Dass Dinge meiner Aufmerksamkeit bedürfen.
Das ist aber nicht nur eine Technik- oder KI-Frage. Langeweile ist auch in der Zusammenarbeit oft gar nicht verkehrt. Ja, da wird es sogar schnell absurd; Langeweile sorgt vielleicht sogar dafür, dass es überhaupt nicht langweilig wird.
Klar kannst du im Sales-Gespräch deinen Interessenten überrollen. Der will von dir aber, dass ihm geholfen wird. Nicht, dass du für ihn eine Show abziehst (es sei denn, er will dich als Zauberer engagieren – aber das sehe ich mal als Spezialfall an). Auch wenn das Problem vielleicht ein dröges ist aus deiner Perspektive. Oder wenn der Kunde unbedingt was „mit KI“ machen möchte. Bleib auf dem Teppich. Nimm die einfachste und stabilste Lösung. Nicht die mit dem meisten Glitzer (wieder: wenn du Zauberer bist, ignoriere meine Ratschläge besser). Gar nicht langweilig ist nämlich ein zufriedener Kunde, der bleibt. Weil du ihm eine Lösung gebaut hast, die funktioniert. Und das auch langfristig tut.
Genauso wie es deine Angestellten hassen, wenn alle 2 Wochen die Eingabemasken in der ERP-Software umgebaut werden. Die wollen nämlich eigentlich ihren Job machen. Und die Routinen schnell hinter sich bringen. Geht aber nicht, wenn du ständig auch Micro-Change-Management (oder Change-Micro-Management, wer weiß das schon) setzt.
Langeweile schafft manchmal Platz. Im Kopf. Und in der Firma. Und sie schafft vor allem Platz für die Dinge, die nicht langweilig sind. Stabilität in der Routine schafft den Freiraum für’s Innovative. Und das sollte auch die Maxime für deine Organisation sein. Versuch nicht langweilige Dinge unbedingt interessant, laut oder bunt zu machen. Automatisier sie zum Teil. Lass sie zum Runterkommen stehen. Oder schaff sie ab. Nicht langweilige Sachen sollten nämlich die sein, die dich weiterbringen. Nicht die, die dein Tagesgeschäft laufen lassen.
Das Leben ist kein Ponyhof. Aber es wäre doch echt schade wenn du durch künstlich aufgebauschte Show-Langeweile so dermaßen abgelenkt bist, dass du gar nicht mitbekommst, wenn doch mal ein Pony vorbei kommt, oder?
PS: Frohes Neues. ;)
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