Kollegin KI? Oder Chefin KI?

Kollegin KI? Oder Chefin KI?

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 31. Oktober 2023

Die Panik, dass maschinelles Lernen Jobs KIllt ist ja mittlerweile etwas abgeebbt. Viele Menschen haben sich, glücklicherweise, mit dem Thema KI zumindest so weit auseinandergesetzt, dass insbesondere generativeKI eher als Zuarbeiter und Assistent denn als Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes wahrgenommen wird. Einige nehmen die KI-Kollegin sogar schon als dankbare Arbeitserleichterung an, die die Zeit, die wir mit wirklich lästigen Routine- und Pflichtaufgaben verbringen, drastisch verkürzt.

Aber wie sieht es denn eigentlich in der Führung aus? Auch Führung ist Arbeit, und während über das Zusammenspiel von KI und operativ tätigen Angestellten sehr viel diskutiert wird, bleibt es um Führungskräfte sehr still.

Auch Führungsarbeit wird sich durch KI transformieren. Ja, ich unterstelle sogar, sie gute Chancen, sich durch KI zu verbessern. Ähnlich wie im Bereich der Contentgenerierung vielleicht nicht über ein gewisses Niveau hinaus; aber genauso wie dort wird sie die Messlatte für den Mindeststandard ebenso anheben wie die Definition, was gut genug ist.

Ein paar Beispiele, die mir dazu in den Kopf kommen:

  1. Der Umgang mit generativer KI trainiert die Fähigkeit von Führungskräften, sich klar und unmissverständlich auszudrücken. Die Konversation mit der KI hat eine kurze Feedbackschleife, und KI steht auch nicht unter dem sozialen Druck, Gesagtes einfach hinzunehmen. Dementsprechend erhält man Antworten und Ergebnisse, die der Unschärfe (und gelegentlich auch Blödsinnigkeit) der Anfrage entsprechen. Damit geht auch …
  2. … einher, dass man das Verständnis für den echten Dialog trainiert. Komplexe Fragestellungen zu vermitteln, ist mit einer Konversations-Einbahnstraße unmöglich. Trotzdem verfallen viele Führungskräfte aus Zeitdruck, Unverständnis für die Perspektive der Angestellten oder schlicht fehlenden kommunikativen Fähigkeiten immer wieder in den Anweisungsmodus – auch dort, wo ein derartiger Monolog gänzlich unangebracht ist. Die Konversation mit der KI erlaubt eine Nachbesserung der Ergebnisse im Dialog. Und tatsächlich, zwischen Menschen funktioniert das auch.
  3. PUSH- wie PULL-Strategien werden effektiver und attraktiver. In modernen Arbeitskulturen herrscht oft ein stetiger Widerstreit der Meinungen, ob eher alle Mitarbeitenden alle Information zur Verfügung stellen sollen (PUSH) und die Führungskraft sich dann Relevanz und Gesamtzusammenhang selbst sortieren muss, oder ob es nicht doch besser ist, als Vorgesetzte:r alles einzufordern (PULL) und damit natürlich alle ständig von produktiver Arbeit abzuhalten. Alle diese Kerntätigkeiten, also Zurverfügungstellen, Sammeln und Strukturieren sind Tätigkeiten, die durch KI unterstützt, wenn nicht gar automatisiert werden können.
  4. Für Entscheidungen habe ich ein zweites künstliches Paar Augen, mit dem ich diese reflektieren kann. Bevor ich Sie mit dem Team, der Managementebene oder dem Lenkungskreis durchgehe. Daraus können durchaus mehr Selbstsicherheit, geschliffenere Argumentationen und vielleicht sogar im Resultat bessere Entscheidungen resultieren.

Zumindest für mich steht fest, auch Führung profitiert von künstlicher Intelligenz. Und damit profitiert dann auch neue Arbeit von künstlicher Intelligenz. Denn ohne bessere Führung keine bessere Arbeit.

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