Mach mal wie ich!
Nachahmen und Nachmachen, damit bringt man Leuten was bei. Denkt man. Aber leider greift das in einer Welt, in der immer mehr scheinbar triviale Tätigkeiten immer komplexer werden, nicht mehr sehr gut.
Nachahmen, das ist eine Lerntechnik aus einer recht alten Evolutionsstufe. Und eine Fähigkeit, die uns bis ins Industriezeitalter hinein hervorragende Dienste geleistet hat. Und auch heute bringen wir ganz vielen großen und kleinen Menschen immer noch Dinge bei, in dem wir sie nachahmen lassen, was wir ihnen zeigen oder erklären. Im Klassen- oder Schulungsraum, über Lehrbücher oder über neue Medien wie Videos und Lern-Apps.
Das klappt ganz wunderbar, solange es darum geht, Dinge zu lösen, die einfach oder bestenfalls kompliziert sind. Solange man Rezepte verfolgen kann. Solange man alle Parameter kennt.
Genau das, liebe Leute, ist aber in den allermeisten Tätigkeiten, mit denen sich Fach- und Führungskräfte heutzutage herumschlagen müssen, eben nicht mehr der Fall. Wenn Zusammenhänge komplex sind, wenn man systemisch denken muss, wenn man sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass nach dem Aufstehen Dinge in der Welt noch so sind wie am letzten Abend, bevor man zu Bett gegangen ist, dann ist Nachahmen eine ganz, ganz schlechte Idee.
Nachahmen hinkt immer der Gegenwart ein wenig hinterher. Wenn ich das nachahme, was gerade passiert, dann kann ich es offensichtlich erst später anwenden. Was aber, wenn die Regeln des Jetzt im Später gar nicht mehr gelten? Was, wenn ich jemanden nachahme, der sich schon im Jetzt nicht an die Regeln gehalten hat und einfach nur Glück hatte?
Nachahmen spielt sich auf derselben Erkenntnisstufe ab wie das Problem, das man lösen möchte. Einstein sagte (angeblich) mal, dass das bei allem, was schwierig ist, nicht funktioniert. Dass man die Lösung auf einer höheren Stufe entwickeln muss. Dafür braucht man ein ausgeprägtes Komplexitätsbewusstsein, Kreativität, Vorstellungskraft, Neugier, Experimentierwillen und Kommunikationsfähigkeit. Fähigkeiten, die ich für mich selbst entwickeln muss. Die ich nicht nachahmen kann.
Fähigkeiten übrigens, die wir in unserer Aus- und Weiterbildung leider immer noch sträflich vernachlässigen. Womit wir uns wiederum die Chance nehmen, systematisch bessere Lösungen zu finden. Es also dem Zufall (oder der Intuition) überlassen, mal eine gute oder große Entdeckung zu machen, ein besseres Produkt zu bauen oder die Welt ein bisschen besser zu machen.
Ja, wir nehmen uns sogar die Chance, existierende bessere Lösungen überhaupt zum Einsatz zu bringen. Weil wir sie nicht verstehen. Weil wir zu viel vereinfachen. Und vielleicht auch weil wir zu faul sind, die notwendige Disziplin an den Tag zu legen.
#Agilität funktioniert in den meisten Unternehmen nicht, weil sie sie nur nachahmen. #NewWork klappt nicht, weil wir versuchen, sehr spezifische Beispiele universell zur Anwendung zu bringen, ohne die dahinterstehenden Wirkprinzipien zu erkennen. #Digitalisierung schafft dort keine anwendbaren Lösungen, wo wir uns nicht mal die Mühe machen, die Probleme wirklich zu verstehen, sondern nur Symptome bekämpfen. Oder eben nur die Erfolgreichen nachnahmen, ohne aber wirklich ihre situativen Umstände zu teilen.
Wir müssen unsere alten Steinzeitgehirne dazu bringen, sich mit dieser Materie auseinanderzusetzen. Wenn wir gute Führungskräfte sein wollen, wenn wir Architekt:innen und Ingenieur:innen unserer Zukunft sein wollen, dann bleibt uns schlicht und einfach nichts anderes übrig.
Das kannst du glauben. Oder auch nicht. Deine Entscheidung.
Aber bitte nicht einfach nachmachen.
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