Wissensarbeit und Wissensignoranz …

Wissensarbeit und Wissensignoranz …

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 27. Februar 2025

… sind keine besonders guten Partner.

Zugegeben, natürlich ist Ignoranz nie ein besonders guter Partner. Aber weit verbreitet ist sie schon. Hier und heute soll es dabei um eine spezifische Form von Ignoranz gehen. Nämlich die, die behauptet, Wissensarbeit zu verstehen und beurteilen zu können, genau das aber nicht tut. Wissensignoranz sozusagen.

Diese Form der Ignoranz dreht nämlich zurzeit in Unternehmen auf aller Welt mal wieder völlig frei. Der Grund, natürlich: KI. Die man auf Entscheiderebene nicht versteht, bezüglich derer man sich fehlleiten lässt und bei der man dann ganz schnell bezüglich Wissensarbeit Entscheidungen trifft, die sich auf den ersten Blick sehr solide anhören. Aber die auf lange Sicht eher destruktiver Natur sind.

Als operative Tätigkeiten noch hauptsächlich physische Ergebnisse zu Tage gefördert haben, war alles schön einfach. Leibeigener sammelt fleißig Rüben und der Karren ist am Ende des Tages voll: gut. Fauler Leibeigener liegt nur doof im Schatten rum und der Karren ist leer: schlecht. Das waren noch goldene Zeiten für Führungskräfte!

In die Industrialisierung konnten wir viel davon mitnehmen. Natürlich spielten dort auch bereits Verwaltungstätigkeiten eine größere Rolle, und einige wenige mussten auch schon echte Wissensarbeit leisten. Aber der Umsatz, der Output, der hing immer noch vor allem am physischen Produkt.

Mit der zunehmenden Regulierung jedoch, mit Automatisierung und vor allem mit der fortschreitenden Digitalisierung fällt uns das immer schwerer. Viele Leistungsträger stehen nicht mehr in der Werkshalle, ja räumen noch nicht einmal mehr Akten hin und her. Wissensarbeiter leisten Arbeit, die ich mir nicht ansehen kann, sondern die ich mir oft vorstellen muss.

Und das scheint ein ziemliches Problem für fantasielose Führungsetagen darzustellen. Führungskräfte können sich die Tätigkeiten von Sachbearbeiter:innen, Ingenieur:innen oder, auweia, von digitalen Fachexpert:innen leider nicht sehr gut vorstellen. Denn von Außen sieht das alles immer ganz einfach aus. Fast schon wie Zauberei. Steckst du halt selber nicht drin. Nur ist es das bedauerlicherweise keine Zauberei. Aber das beurteilen zu können, erfordert tatsächlich einiges an Recherche, Modellierungsbewusstsein und einem Sinn für die operative Praxis.

Wenn ich mir diese Mühe nicht mache, dann komme ich schnell auf den Gedanken, Zauberei durch andere Zauberei zu ersetzen. Zum Beispiel Wissensarbeiter durch künstliche Intelligenz. Das ist ja auch irgendwie verlockend. Aber das ist auch so ein wenig wie Speiseöl durch Motoröl zu ersetzen, wenn man keine Ahnung vom Kochen hat. Technisch machbar, aber im Ergebnis – eher nicht so toll.

Der Vorteil vom Motoröl: Das im Salat zu haben, das rächt sich sofort. Menschen durch KI wegzurationalisieren, den Effekt merkt man erst später. Und hinterlässt dann Schäden, die irreparabel sind. Die Fachkräfte sind futsch, das Wissens in ihren Köpfen auch. Das Vertrauen der Kundschaft? Geschichte.

Eine echte Zwickmühle also. Denn für mich als Führungskraft bedeutet das, dass ich die ganze Bühnenmagie in die Abstellkammer schaffen muss. Nix mit Showtime. Hartes Business braucht die Realität. Und das bedeutet, ich muss mein magisches Weltbild der Wissensarbeit durch etwas anderes ersetzen. Und ich muss auch meine Hogwarts-artige Darstellung von KI durch etwas anderes ersetzen.

Bei letzterem hilft Bildung. Also lernen zu verstehen, was KI kann und was nicht. Das Thema auch strategisch angehen zu können. Risiken beurteilen zu können. Das ist keine leichte Aufgabe und auch keine, die mal eben so erledigt ist oder die man auslagern muss. Um hier sinnvolle Entscheidungen treffen zu können, darf man sich selbst dem Thema nicht verschließen.

Aber das ist noch der einfache Part. Wissensarbeit zu verstehen, das ist noch viel schwieriger. Ja, oft sogar unmöglich. Klar, es gibt auch Führungskräfte, die aus dem operativen Geschäft wegbefördert worden sind. Aber auch die müssten sich auf dem Stand der Kunst halten. Und machen wir uns nichts vor, viele Menschen dieses Werdegangs zeigen dann in einer Führungsposition andere Schwächen, die man dort so überhaupt nicht gebrauchen kann.

Gibt es Alternativen? Oh ja. Ich kann zum Beispiel Wissensarbeitern vertrauen. Ich kann mit der positiven Grundannahme auf sie zugehen, dass ich als Führungskraft eben nicht beurteilen kann, was für sie am besten ist und was sie produktiver macht. Denn, ganz ehrlich, als Führungskraft kannst du das tatsächlich nicht. Das können die Leute nur selbst.

Das ist auch kein Einhörner-tanzen-auf-Blumenwiesen-und-alle-haben-sich-lieb-Gefasel. Denn das wäre nur neue Zauberei. Mitarbeitenden zu vertrauen heißt auch, sich auf sie verlassen zu können. Ziele zu setzen. Verweigerungshaltungen nicht zu tolerieren. Konfliktfähig zu sein. Minderleistung auf den Grund zu gehen und diesen Grund abzustellen (auch wenn das knallhart heißt, Leute zu ersetzen oder gar zu entlassen). Auch andere Stimmen von Außen mal anzuhören, die oft viel besser die Finger in die Wunde legen können.

So eine Führungskraft zu sein, die selbst weiß, die vertraut und der man vertrauen kann, das ist jetzt, im KI-Zeitalter, noch viel wichtiger als jemals zuvor.

Bist du so eine Führungskraft? Super.

Oder willst du so eine Führungskraft werden? Auch super!

Aber wenn nicht, dann wundere dich bitte nicht, dass die KI dich irgendwann ersetzt. Denn dann bist du früher oder später der-/diejenige, der/die überflüssig ist.

Sie möchten mehr zu diesem Thema wissen?

Kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches Gespräch. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die passende Lösung für Ihre Herausforderungen zu entwickeln.

Jetzt Kontakt aufnehmen