Nicht für die Schule, sondern für die KI lernen wir
Es gibt ja immer noch zahlreiche Menschen, die der Meinung sind, die Nutzung von künstlicher Intelligenz durch Schüler:innen und Studierende wäre der Untergang des Abendlands. Mindestens.
Ich verstehe auch, warum man das denkt. Das, was hier seit einigen wenigen Jahren passiert, tut vielen Menschen wirklich weh. Und das darf es auch Es zeigt nämlich leider überdeutlich, wie kaputt unser Verständnis von Lehren, Lernen und Verstehen tatsächlich ist. Dank KI, dank aus dem Weg räumen von Fleißtätigkeiten. Die wunderbar kaschieren, dass wir vielen Menschen eigentlich überhaupt nichts beibringen. Und dass andere Menschen wiederum, die wir immer in den höchsten Tönen loben, auch überhaupt nichts lernen.
Prüfungen, Noten, Zeugnisse und Zertifikate. Ohne so etwas geht eigentlich im Bildungssystem nichts. Egal ob in der Schule, in der Uni, in der Ausbildung oder später im berufsbegleitenden Lernen. Wir wollen irgendwie messen, ob Menschen etwas lernen. Also suchen wir uns etwas, dass wir angeblich messen können. Leistungsorientiert denken heißt zu fordern, dass wir Lernerfolge messbar machen. Dem gelernten eine KPI verpassen. Optimalerweise in abstufbarer Form und nicht nur binär. Denn wir wollen ja nicht nur, dass Leute durchfallen oder bestehen, wir wollen ja auch wissen, wie „gut“ sie sind.
Die zwei Maße, an denen wir versuchen, genau das festzumachen (und ich vereinfache hier jetzt ganz radikal. Dass das nicht die hohe pädagogische Lehre ist, das sollte klar sein. Macht euch bitte trotzdem selber deutlich, dass dies dennoch die Normalsituation für sehr viele Lernsituationen ist!), sind:
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„Objektive“ Überprüfung des Wissens durch Tests.
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„Subjektive“ Beurteilung der Lernleistung durch Lehrende.
Die Begriffe habe ich dabei nicht umsonst in Gänsefüßchen gesetzt. Die Kategorien sind äußerst dehnbar, je nachdem, welche Vorstellung man gerade von Objektivität (die meist schon an der subjektiven Formulierung der Fragestellung scheitert – selbst in Fächern wie Mathematik) oder Subjektivität (die man wahnsinnig gut durch komplizierte Berechnungsmodelle kaschieren kann, die total wissenschaftlich aussehen, es aber vielleicht doch nicht sind) hat.
Beides ist eigentlich Quatsch. Eine Ausrede, um Leistungen zu quantifizieren, weil man sie eben nicht auf einfache Weise quantifizieren kann.
Und genau das entlarvt KI jetzt gnadenlos. Tests, die man in der Vergangenheit oft schon durch bloßes Auswendiglernen oder sogenannten Rote Learning (also lernen, wie die Tests aufgebaut sind, weil eigentlich eh immer eine Teilmenge einer Fragengesamtheit dran kommt, siehe theoretische Führerscheinprüfung) hervorragend bestehen konnte, lassen jetzt noch mehr Leute scheitern. Weil KIs nicht sehr gut im Rote Learning sind und gerne mal Antworten halluzinieren, als diese zu recherchieren. Aber da lässt sich drumherum arbeiten. Und wie schon zuvor sind das diejenigen, die belohnt werden: die schlauen, aber Faulen. Welche nicht dein Problem gelöst haben, sondern dich. Die nicht den Stoff verstanden haben, sondern wie man sich um ihn herum schummelt.
Die subjektive Beurteilung fällt noch viel schwerer. Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik lassen sich nicht mehr prüfen, wenn man nicht weiß, ob ein Mensch oder eine KI einen Text geschrieben hat. Bei Recherchen ist es oft ein wenig Glücksspiel, aber auch hier kann es gelingen, sich durch verschiedene Prüfungsanforderungen mit überraschend wenig Aufwand durchzuschleusen. Oder Abschlussarbeiten. Ähnlich wie Research Paper schreiben die sich heute von allein.
Wie gesagt, ich finde das überhaupt nicht schlimm. Was hier flöten geht, ist die relativ willkürliche Vergleichbarkeit. Ob jemand wirklich etwas gelernt und verstanden hat, das hat die meisten Menschen auch vorher schon nicht interessiert. Und das haben wir auch nur selten wirklich gemessen.
Dabei sollte das gerade jetzt, im KI Zeitalter, das sein, was uns interessiert. Ob jemand etwas verstanden hat. Ohne das ist man nämlich völlig aufgeschmissen. Wir als Menschen sollten uns in den Bereichen gut aufstellen, in denen wir uns nicht selbst überflüssig machen. Und das (nicht erst seit gestern, sondern eigentlich seit den ersten Jahren des Internets) ist nicht Wissensreproduktion. Das ist praktische Anwendung von Wissen, das Erarbeiten von Lösungen und das Erkennen subtiler Fehler. Kritisches Denken. Spielerei mit Ideen im Kopf. Das ist wahre Kreativität und künstlerische Ausdruckskraft. Egal, in welchem Bereich.
Wissen will angewandt werden. Es geht nicht allein ums Wissen, es geht ums Können. Und eigentlich ist das etwas, was wir wunderbar prüfen können. Deshalb sind Projektarbeiten schon in der Schule so wertvoll. Erst recht, wenn man ihnen auch noch Impact verleiht. Wenn du wissen willst, ob deine Schüler:innen das, was wichtig ist, verstanden und verinnerlicht haben, wirf sie in die Welt! Schau dir an, ob sie echte Probleme lösen können. Ob es ihnen gelingt, NGOs unter die Arme zu greifen, von der Bühne aus Menschen echte Emotionen zu entlocken, unsere Welt lebenswerter zu machen. Aber auch, Geschäftsideen zu entwickeln, Probleme anzugehen, mehr Courage zu zeigen, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren.
Wer das schafft, hat bestanden! Ohne Wenn und Aber. Gerne auch mit Fähnlein Fieselschweif-Abzeichen oder digitalem Achievement.
Und das gilt nicht nur für Schüler. Wer lernt, seine Arbeit besser zu machen, wer lernt, Probleme zu verstehen und die richtigen Lösungen anzuwenden, der hat bestanden.
Wir brauchen mehr Könner:innen. Jetzt mehr als jemals zuvor. Und nicht nur selbst dazu zu werden, sondern auch andere dazu zu machen, das liegt an uns allen. Und mir ehrlich gesagt auch besonders am Herzen.
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