And this is why you can't have nice things
Entscheider:in sein im KI-Zeitalter ist echt nicht leicht. Und bevor wir hier dem freundlichen LLM von nebenan alles in die Schuhe schieben: das hat ja nicht nur mit KI zu tun.
Je mehr man Prozesse und Geschäftsabläufe technisiert, desto herausfordernder werden sie für uns Menschen. Und das hat dann nicht immer die Effekte, die wir gerne hätten: Dinge laufen schief, und keiner weiß, warum. Menschen sind mit ihrer Arbeit immer mehr überfordert und werden weniger leistungsfähig. Ja, schlimmer noch: Leistung nimmt nicht ab, weil Menschen faul sind. Sondern weil das Einprasseln von Informationen, von (Auf-)Forderungen ja immer größer wird. Nicht nur im Job. Sondern überall.
Alles wird komplexer, und die Zahl der einfachen Antworten, die wir auf Fragen finden können, wird geringer. Na ja, um genau zu sein, die Zahl der richtigen Antworten wird immer geringer. Die Zahl der möglichen Antworten wird immer größer. Schließlich hat ja auch jeder was mitzuteilen. Und noch schlimmer, moderne Arbeitsmodelle behaupten ja auch, dass alle das Recht haben sollen, zu allem und jedem etwas mitzuteilen. Und das sind ja nicht nur Menschen, die mit uns ständig reden. Nein, Maschinen tun das ja auch. Prozesse tun das auch. Und KI-Agenten werden das wahrscheinlich in einigen Jahren auf ein ganz neues Level heben.
Wie kommt man damit klar? Kommt man damit überhaupt noch klar? Biologisch sind wir für sowas vielleicht eher schlecht aufgestellt, der Wolf im Gebüsch ist für unser Jäger- und Sammler-Gehirn besser zu erfassen als tausende von Datenstreams. Technik? Könnte helfen, aber wenn die uns schon so gewaltig auf den Zeiger geht, wie hoch ist dann die Hürde, sich von ihr auch noch unterstützen zu lassen?
Viele Führungskräfte entscheiden sich deshalb, Dinge zu blockieren. Insbesondere in großen Organisationen bringt man damit alles zum Stillstand. Ja, man kann sich dann in der Illusion sonnen, dass alles noch so läuft wie 1998, und das beruhigt oft nicht nur das eigene Gemüt. Aber da draußen, da ist trotzdem 2025. Und das interessiert sich einen Dreck für deine kleine Traumwelt. Der Hacker aus 2025 findet dich trotzdem. Dein Antivirus von 1998 hilft dagegen nicht. Die Daten, mit denen die Welt dich bewirft, sind trotzdem da. Nur kommt vielleicht dein Faxgerät da nicht mehr mit. Die Aufträge, die du nicht bekommst, weil du nur noch Museumsware verkaufst, die bekommst du vielleicht gar nicht mehr mit. Und das, was ihr noch verkauft und wofür ihr 3 Monate bis zur Auslieferung braucht, erledigt jemand anderes mit der Hälfte des Personals jetzt in 10 Tagen.
Das isses also nicht. Also: Revolution! Embrace Change! Alles muss neu, alles muss agil. Wehe, ich hab nicht mindestens drei KI-Agenten am Start, die mein Outlook für mich lesen. Damit ich Zeit habe, mir neue Automatisierungsworkflows zusammen zu klicken. People & Culture hat auch schon strikte Order, jetzt nur noch Prompt Engineers für alles einzustellen. Arbeit erledigen, das kann doch die KI. Deshalb kann auch jeder new-worky wann und wo arbeiten, wie er/sie/es möchte. Die KPIs zeigen uns schon, wer produktiv ist oder nicht. Ich hab jetzt übrigens alles so weit optimiert, dass ich gar nicht mehr im Büro bin. Nur noch auf dem Golfplatz. 36 Stunden am Tag. Ja, so gut organisiert und effizient bin ich!
Das; ja das – ist offensichtlich auch nicht richtig.
Also aufgeben? Oder doch schauen, wo da irgendwo der Mittelweg ist? Wahrscheinlich der Weg, der von allen am effektivsten, aber auch am anstrengendsten ist?
Lohnt sich das? Wahrscheinlich schon, denn sonst ist die Sackgasse, der Bankrott vorprogrammiert. Wirtschaftlich. Oder menschlich. Oder im schlimmsten Fall sogar beides. Beispiele für alle drei Szenarien gibt es ja mittlerweile zuhauf.
Was also tun?
Vielleicht muss man als Führungskraft einsehen, dass mehr Automatisierung nicht automatisch auch mehr Produktivität bedeutet. Sondern einfach mehr Freiheit für die Mitarbeitenden. Und dass sich diese Freiheit für das Unternehmen langfristig auszahlt. Und sei es „nur“ durch weniger Fluktuation und weil meine größten Talente nicht nach ein paar Jahren ausbrennen und lieber in die Reha als ins nächste Innovationsprojekt gehen.
Wahrscheinlich muss man als Führungskraft auch technologisch informiert bleiben. Denn den Anschluss zu verlieren (oder den nicht wiederzufinden), das kann sich wohl kaum noch ein Unternehmen erlauben. Und informiert sein, das heißt nicht nur Trends und Buzzwords zu kennen. Das heißt auch, sich nicht irgendwelchen Müll andrehen zu lassen. Kritisch zu denken, eine gewisse Medien- und Datenkompetenz zu besitzen. Keine technischen Entscheidungen zu treffen (oder nicht zu treffen), weil das gerade so bequem ist.
Wohlgemerkt muss hier niemand Experte sein. Aber offensichtlichen Quatsch, den sollte man erkennen können – und nein, Bauchgefühl allein reicht da nicht. Verfeinern geht dann über die echten Experten, denen du nicht nur vertraust, sondern die ihre Themen auch mit einer gewissen Objektivität angehen.
Und man muss beweglich bleiben. Nicht auf dem oben genannten Golfplatz (wobei das sicherlich nicht schadet), sondern im Kopf. An technischer und gesellschaftlicher Innovation gilt es dranzubleiben. Interessiert zu sein. Und zu lernen. Bereitschaft zu zeigen, Dinge auszuprobieren, aber auch bereit zu sein, Grenzen zu ziehen. Fehler einzusehen und Entscheidungen zu revidieren, sei es, weil man die Situation falsch eingeschätzt hat, oder weil sich die Umstände geändert haben – was sie heutzutage, zweifelsohne, immer wieder und mit hoher Frequenz tun.
Dieses Denken, diese Werte sind aber nicht nur Führungsjob. Das brauchen wir auch im operativen Handeln. Dementsprechend haben Führungskräfte hier auch Vorbildfunktion. Und es ist ihre Aufgabe, diese Dinge, auch mit Nachdruck, falls nötig, zu motivieren.
Ich glaube, solche Führungskräfte sind für die Zukunft hervorragend aufgestellt.
Wäre doch schön, mehr von diesen Führungskräften zu haben. Oder?
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