Trailblazer

Trailblazer

Autor: Hendrik Belitz Veröffentlicht: 24. Juni 2025

In Zeiten rasanter Entwicklung braucht es Menschen, die mutig vorausgehen und die den Weg bereiten für die, die nach Ihnen kommen. Im rasanten KI-Zeitalter wird das nur noch wichtiger, denn hier bewegt sich alles noch viel schneller.

Gut, dass es, zum Beispiel bei LinkedIn, so viele Trailblazer und Vordenker gibt. Leider nützt die ganze Vordenkerei aber in der Praxis längst nicht so viel, wie man das gerne hätte. Oft hat das damit zu tun, dass an der einen oder anderen Stelle vor lauter Vorausprescherei das Denken ausbleibt. Zu eilig, zu begeistert, und vielleicht auch mit zu großen Vorsprung.

Wer vordenkt, der sollte auch vorausdenken. Was kann ich hier meinem Unternehmen oder meinem Auftraggeber zumuten? Ist der schon an der Schwelle zum Morgen? Oder ist der noch im Vorgestern und damit nicht mal bereit fürs Heute? Was wird passieren, wenn ich neue Möglichkeiten aufzeige? Ist das sinnvoll? Ist das leistbar? Wer verliert hier, wenn wir gewinnen? Und wer ist wir?

Wer vordenkt, der muss auch nachdenken. Immer nur ohne Pause voraus, da holt einen irgendwann niemand mehr ein. Welche Chancen haben die, die nach mir kommen, meinen Weg zu beschreiten? Ist das Wissen da? Sind die Fähigkeiten da? Oder ist der Weg, den meine Machete durch den Dschungel geschlagen hat, schon längst wieder zugewachsen? Werden sich die Nachfolgenden verirren? Haben wir überhaupt etwas von dem Weg, den ich hier einschlage?

Wer vordenkt, der muss mitdenken. Visionen mögen auf den ersten Blick beeindrucken, aber sie machen auch Angst. Besonnenheit ist da gefragt. Erklärungen wollen gegeben werden. Zweifel müssen ernst genommen und zerstreut werden. Und vielleicht gibt es auch riskante Stellen, wo man jemand an die Hand nehmen muss.

Vordenker tragen eine gewaltige Verantwortung. Sie sind Forscher, Abenteurer, Lehrer, Risikomanager und Motivationstrainer in einem. Sie zeigen neue Wege auf, aber sie sind auch diejenigen, die sie freihalten müssen. Die, die Warnschilder aufstellen müssen, damit niemand verloren geht oder stürzt. Sie sind diejenigen, die andere mitnehmen müssen. Die Lasten schultern müssen, die niemand sonst tragen kann. Sie sind die Fühler eines Unternehmens, die ausgestreckt werden, um besser auf das vorbereitet zu sein, was kommt. Diejenigen, die Flächen (im Kopf oder im Aktenschrank) roden, um Platz zu schaffen für Innovation. Für neue Handlungswege. Für Freiräume.

Oft habe ich den Eindruck, dass viele Vordenker diese Verantwortung nicht übernehmen wollen oder, noch schlimmer, sich ihr überhaupt nicht bewusst sind. Dann fühlt sich der Rest schnell von Ihnen alleingelassen. Und der Sprung vom Vordenken zum tatsächlichen Fortschritt, von der Vision zum Machen, bleibt aus.

Dann ist Trailblazen kein Schaffen neuer Wege.

Dann ist es ein Davonlaufen.

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