Kontext bitte!
Vor zwei Jahren, da war die Welt noch in Ordnung. Da war Prompt Engineering der heiße Shit und besonders wirsche, Entschuldigung, visionäre Unternehmen kamen schon auf die Idee, Leute auf die Berufsrolle des Prompt Engineers zu setzen. Und das hoch dotiert, wohlgemerkt.
Ich fand das damals schon extrem albern. Denn egal wie gut deine Prompts deiner Meinung nach sind, ohne Fachwissen für das, was du tust, wird nichts Brauchbares dabei herauskommen (ich mein, seht euch mal die Titelbilder in meinem Newsletter an. Grafikdesigner bin ich offensichtlich wohl nicht, auch wenn das diesmal schon cool ist, oder?).
Das hat der Rest der Welt nach einer ganzen Menge herber Enttäuschungen dann auch kapiert. Prompt Engineer ist kein Beruf, sondern Prompt Engineering eine Fähigkeit. Vielleicht sogar einer dieser mysteriösen Core oder Fundamental Skills? Auf jeden Fall eine Fähigkeit, die man beherrschen sollte, wenn man generative KI produktiv nutzen möchte.
Sitzen tut das bei vielen immer noch nicht. Ich mein, sind ja auch erst drei Jahre (also drei technischen Generationen im KI-Zeitalter), seit denen man sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigen kann. Ist aber auch egal, denn jetzt kommt ja schon der nächste Hammer:
Context Engineering. Das ist jetzt der neue König auf dem Platz. Auf einmal geht’s nicht mehr nur um meinen Prompt (klar, der ist auch immer noch wichtig, Prompt Engineering überspringen fällt also aus), sondern um den kompletten Kontext, in dem so ein generatives KI-System agiert. Datenquellen, externe Tools, Kurz- und Langzeit-„Gedächtnis“, strukturierte Formate für Ein- und Ausgaben, Systemprompts und so weiter. Und ich sag euch, kommen jetzt noch autonome Agenten dazu, dann wird das alles noch viel, viel komplexer werden.
Das soll man jetzt alles beherrschen. Lutke, Karpathy und Co sind sich da einig (kennste nicht, die Typen? Ist nicht schlimm. Frag ChatGPT.).
Wir erinnern uns mal – es gab da mal die Idee (und ich glaube auch gerne, dass das stimmt), dass KI alles einfacher machen soll. Und dann das. Läuft ja bei uns.
Aber was solls, lernen wir also jetzt alle Context Engineering.
Problematisch ist nur, dass das überhaupt keinen Sinn ergibt. Ja, wir sollten verstehen, was so ein LLM von uns braucht, um vernünftige Antworten zu geben. Nur leider sind solche Systeme für die allermeisten Menschen eine Black Box – total undurchsichtig. Die Leute, die Lösungen auf AI-Basis bauen (so wie ich), haben da mehr Einblick. Aber der geht auch nur begrenzt weit. Wir kennen die Systemprompts der meisten LLMs nicht. Wir kennen auch die genaue Wirkungsweise der Tools großer Hersteller nicht. Wir kennen die Trainingsdaten oft nicht. Wir können nur ausgewählte Teile des Kontextes wirklich beeinflussen. Und dann (wohlgemerkt systematisch) experimentieren, bis einigermaßen verlässlich das herauskommt, was wir haben wollen.
Und damit sind wir fast wieder am Anfang. Prompt Engineering ist kein fundamentaler Skill. Dieser Fähigkeit steht bereits auf den Schultern von Riesen, wie man so schön sagt. Experimentierfreude, kritisches Denken, die Fähigkeit sauber und klar zu kommunizieren. Ja, selbst Frustrationstoleranz sind Fähigkeiten, die darunter liegen. Wissenschaftliches Denken und Arbeiten ist auch eine wichtige Fähigkeit, die vieles davon kombiniert, und ebenfalls ein notwendiges Fundament für Prompt Engineering ist.
Beim Context Engineering wird’s noch haariger. Meiner Meinung nach ist das überhaupt kein Skill. Mehr so eine Richtlinie. Oder ’ne Lebensweisheit. Du Aufforderung, alles im Blick zu behalten, was zum Kontext deiner Anfrage an ein LLM gehört, ist schon richtig. Aber das ist durch den Kontext, in dem du dich bewegst, beschränkt. Du weißt und darfst ja auch nicht alles.
Die Schnittmenge von beidem Kontexten kann beliebig klein sein. Und du wirst dir noch wünschen, dass sie das ist. Denn bei großem Kontext kommt noch ein weiter Core Skill ins Spiel, mit dem sich viele schwertun: systemisches Denken. Diese ganzen dynamischen Bauteile im Blick zu behalten, die alle miteinander interagieren, das ist schon eine Kunst.
Das coole ist, wenn man das alles drauf hat, wird alles besser. Also nicht nur in der Interaktion mit KI. Sondern mit allem. Vor allem auch mit anderen Menschen. Du kannst besser kommunizieren, Probleme besser verstehen und kannst systematisch an Lösungen arbeiten.
Das doofe ist, es gibt da keine Abkürzungen. Prompt und Context Engineering kannst du bestenfalls nachmachen, wenn dir die fundamentaleren Fähigkeiten fehlen. Denn gestalten, das erfordert immer Können.
Das Gute ist, das kann man alles lernen. Das Schlechte ist, die meisten von uns haben das nie gelernt. Weils über weite Strecken Skills sind, die unser Bildungssystem und auch unsere Arbeitsumgebungen nicht vermitteln. Im Gegenteil, das sind Fähigkeiten, die das Industriezeitalter von der breiten Masse der Beschäftigten gar nicht haben wollte. Und denen es oft an Messbarkeit fehlt und die (vielleicht auch deshalb) auch in den typischen verschulten Umgebungen gerne mal auf der Strecke bleiben; wenn man sie nicht sogar aktiv unterdrückt.
Mit IHK-Kursen für KI-Manager und KI-Beauftrage und schicken Online-Master-Classes für perfektes Context Engineering ist es also nicht getan (Erst recht nicht für Artikel 4 AI Act, mal nebenbei angemerkt). An die Basis musst du ran. Es gibt da keine Abkürzung. Das ist harte Arbeit. Für die der Platz da sein muss. Alles andere hält dich vielleicht beschäftigt. Aber weiter kommst du damit nicht.
Hast du diesen Platz? Oder willst du ihn schaffen? Dann sollten wir mal sprechen. So ganz unverbindlich. Prompte mich einfach mal an. Gerne auch hier bei LinkedIn.
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